Freitag, 23. Januar 2015

Bein zeigen an Karneval!

Die Zeit des Straßenkarnevals naht. Vor allem im Rheinland heißt es bald: mitmachen oder sich verkriechen. Doch für Skin Picker, die sich im Alltag meist verkriechen, kann Karneval eine der seltenen Gelegenheiten sein, raus zu gehen und im hellen Tageslicht zu feiern. 

Das ist mir letztens aufgefallen, als ich ein Kostüm für Halloween suchte. In einem Geschäft für Karnevalsbedarf - das ebenso auf Halloween spezialisiert ist - entdeckte ich dies: blutbeschmierte weiße Strümpfe, die bis übers Knie reichen! 

Nylonstrümpfe "Bloody" - damit kann ein Skin Picker zu Karneval Bein zeigen! Bild: Bäumer
An Karneval schlüpfen viele in Verkleidungen, die etwas darstellen, das sie gar nicht sind. Dabei wird das Dargestellte zugleich parodiert. Beispiel: Ein Mann verkleidet sich nicht als normale Frau, sondern gleich besonders sexy als Vamp. Oder eine Frau geht nicht nur als Krankenschwester, sondern als "sexy Krankenschwester des Grauens", zeigt viel Haut und Blut. 

Die saisonal bedingte Verrücktheit gibt mir die Gelegenheit, mich als Skin Pickerin zu verkleiden - es dabei aber gleich so zu übertreiben, dass niemand auf die Idee kommen würde, in dem Kostüm stecke ein "wahrer Kern". Also nicht nur die blutbetropften Strümpfe anziehen, sondern gleich alles mit Theaterblut zuschmieren: Kittel, Gesicht, alles. Und wer noch eine dicke Thermostrumpfhose drunterzieht, feiert auch bei klimatischen Kapriolen draußen ganz entspannt. Dazu noch ein paar Pflaster über die Aufmachung drapieren und die Finger in Baumwoll-Handschuhe stecken - so wie man es sonst tut, um sich vom Knibbeln abzuhalten.

An diesem Freudentag entfällt endlich das stundenlange Schminken vor dem Spiegel. Rote Stellen und Wunden dürfen heute bleiben! Sie werden sogar extra betont: Die Haut, ohnehin blass wegen des Mangels an Sonne, tünche ich weiß. Dann male ich mir rote Tropfen und Rinnsale ins Gesicht wie ein Vampir, der beim Bluttrinken geschlabbert hat. Oder male mir klaffende Schrunden wie ein Zombie, der zu Lebzeiten einem Messeranschlag zum Opfer gefallen ist. Da fallen die echten Wunden kaum noch auf.

An solchen Kostümierungen habe ich meine klammheimliche Freude. Während des Feierns lässt sich unbeschwert und völlig angstfrei dieses Paradoxon genießen: Indem ich mein Innerstes nach außen kehre, es sozusagen als Plakatwand vor mir hertrage, wird es für die anderen völlig unsichtbar. So kann ich einen Teil meines Ich zu zeigen, der sonst immer verborgen bleiben muss.

Und wenn jemand fragt, was mein Kostüm darstellen soll? Ach egal, da antworte ich einfach irgendetwas: "eine Horrorfigur", "einen Vampir", "einen Zombie" oder was auch immer. Denn im Karneval darf ich nach Herzenslust hässlich sein.

Permalink dieses Beitrags: http://meine-haut.blogspot.com/2015/01/karneval.html

Montag, 19. Januar 2015

"Es ist diese hilflose Wut"

Interview mit Monika Neumann-Justen, 64, Psychotherapeutin und Hautärztin, Bonn

Monika Neumann-Justen. (Bild: Ingrid Bäumer)
Frau Neumann-Justen, seit unserem ersten Interview sind knapp drei Jahre vergangen. Sie haben sich aus Ihrer Hautarztpraxis zurückgezogen, aber was hat sich in der Zwischenzeit im therapeutischen Bereich getan?

Monika Neumann-Justen: Ich habe viele Anfragen von Skin Pickern erhalten. Unser Gespräch hat mir viele schwierige, aber auch interessante Patientinnen beschert.

Wie viele Patienten mit Skin Picking sind denn bei Ihnen in Therapie?

Es sind knapp zehn Langzeit-Patienten. Ich arbeite tiefenpsychologisch, aber diese Patienten kommen nicht wie üblich einmal pro Woche, sondern alle zwei bis vier Wochen zur Behandlung. Meist sagen sie, es werde ihnen zu viel, es beeinträchtige sie im Alltag. Dadurch ergibt sich eine lange Dauer, aber bei einer moderaten Stundenzahl.

Wie wirken Skin Picker auf Sie? Was sind ihre Besonderheiten?

Gemeinsam ist ihnen ein enormes Kontrollbedürfnis. Meist funktionieren sie auch gut im Beruf, sind gesellschaftsfähig - trotz des Leidens, das ihr Skin Picking ihnen verursacht. Und ganz oft findet sich ein familiärer Hintergrund, der von traumatischen Erlebnissen geprägt ist: Erfahrungen von Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen zwischen dem dritten und elften Lebensjahr, einer Phase, in der das Kind sich noch nicht wehren kann. Diese Menschen sind geprägt von Angst, die sie nicht spüren und die sich in hilflose Wut verwandelt hat. Diese Wut wird gegen die eigene Person gerichtet, zum Beispiel in Form von Skin Picking. Und ist das erst einmal über Jahre „eingeübt“, kommt definitiv ein Gewohnheitsfaktor hinzu.

In unserem ersten Gespräch sagten Sie, dass es manchen Menschen schwerfalle, Angst von Wut zu unterscheiden. Wie hängt das denn zusammen?

Wenn ein Kind Gewalt erlebt, hat es furchtbare Angst. Es erlebt Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit. Damit einher geht aber auch das Gefühl großer Wut wegen der Ungerechtigkeit dieser Gewalt, oft genug durch die Menschen, die es am meisten liebt. Doch ein Kind ist nicht stark genug, um sich zu wehren und es erhält in seiner Hilflosigkeit keine Unterstützung. So entwickelt es Angst vor der eigenen Wut. Als Ventil, um Wut und Angst nicht zu fühlen, nutzt es Selbstverletzungen wie Skin Picking. Zum Glück kommt man in der Therapie recht leicht an diese Gefühle heran.

Gibt es bei allen eine Gewalt- oder Missbrauchsgeschichte?

Manchmal gibt es auch andere Gründe. Eine meiner Patientinnen wurde in ihrem Elternhaus extrem überbehütet, das reale Leben hat sie dann völlig überfordert. Skin Picking kann auch im Erwachsenenalter anfangen: Ein männlicher Patient, erhielt vor ein paar Jahren ein fremdes Organ transplantiert und muss lebenslang Medikamente nehmen, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Er lehnt diese Medikamente ab, aber er hat keine Wahl. Auch er fühlt sich machtlos. So richtet er die Aggression gegen sich selbst und fügt sich Verletzungen zu. Es ist immer wieder diese hilflose Wut.

Wie gehen Sie therapeutisch an Skin Picking heran?

Ich arbeite tiefenpsychologisch, beziehe aber auch verhaltenstherapeutische Elemente ein. In der Therapie sehe ich Patienten als „Experten in eigener Sache“ - wir sind also zwei Experten, die zusammenarbeiten, damit es dem Patienten besser geht.

Welche Methoden haben sich als effizient erwiesen?

Um gegen den Gewohnheitsfaktor im Skin Picking an zu arbeiten, empfehlen sich durchaus verhaltenstherapeutische Mittel. Beispielsweise bitte ich die Patientin, mit ihren Fingerknöcheln über die Haut zu rubbeln statt mit den Nägeln zu kratzen, was die Haut aufreißt. Es gibt viele Möglichkeiten, den Knibbel-Impuls umzuleiten. Ihn zu unterdrücken, das funktioniert allerdings gar nicht.

Welche Möglichkeiten gibt es denn noch?

Wenn ein Patient neu zu mir kommt, probieren wir erst einige verhaltenstherapeutische Tricks. Zum Beispiel, statt knibbeln im Gesicht ein medizinisches Peeling verwenden, Chi-Gong-Kugeln in die Hand nehmen und rotieren lassen - um die Finger beschäftigt zu halten. Oder beim Abschminken Handschuhe anziehen, um erst gar nicht die Fingernägel einsetzen zu können. Oder den Badezimmerspiegel mit einer Folie abkleben, damit man die eigene Haut nicht mehr so genau darin sieht. In manchen Fällen hilft das schon.

Und wenn es nicht hilft?

Dann folgt die nächste Stufe: Ich versuche, den Menschen dazu zu bringen, dass er sich selbst mit seinem Verhalten akzeptiert. Dazu begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise in seine Psyche: Was waren das für Situationen, in denen er diese hilflose Wut gespürt hat? Man muss das respektvoll ansprechen. Überhaupt: Das Allerwichtigste in der Behandlung ist Respekt. Denn Skin Picking fällt nicht vom Himmel, es ist eben nicht nur Spannungsabfuhr.

Und über die kindliche Wut zu sprechen, das funktioniert?

Natürlich nicht immer. Ein erster Erfolg ist erreicht, wenn ein Patient Trauer fühlen kann: Trauer um das, was ihm zugestoßen ist. Dann kann er das Knibbeln meist lassen. In Situationen mit hohem Druck fängt er aber erfahrungsgemäß wieder damit an. Und dann wird er wütend, hasst sich selbst. Dieser Hass jedoch steigert nur das Skin Picking. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Patienten lernen, gnädig mit sich selbst zu sein. Und sich trauen, genau hinzuschauen: Was hat mich wieder zum Knibbeln bewegt?

Was halten Sie davon, mit Medikamenten den Knibbeldrang zu vermindern?

Medikamente sind meiner Meinung nach in der Regel nicht hilfreich. Verschreibungen werden aber zunehmen, weil Skin Picking im DSM-5 unter „Zwangsstörungen und Ähnliche“ eingeordnet wird. Bei Zwangsstörungen werden von Psychiatern zum Beispiel selektive Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer oder trizyklische Antidepressiva eingesetzt. Diese Medikamente machen bei Skin Pickern eher keinen Sinn. Der Patient funktioniert dann vielleicht vordergründig besser in seinem sozialen Umfeld, aber es wird schwerer, an die Ursachen der Störung heranzukommen.

Sie sprachen das DSM-5 an, das Diagnosemanual der Amerikanischen Psychiatrischen Association (APA). Es gilt als Trendsetter für Europa und viele Skin Picker sind froh, dass das, was ihnen Leiden verursacht, endlich als eigenständiges Störungsbild anerkannt ist. Sie finden es aber anscheinend nicht so hilfreich – warum?

Ich warne vor der Einordnung in die Kategorie „Zwangsstörungen und Verwandte“. Natürlich hat Skin Picking etwas Zwanghaftes. Aber Zwang ist allgegenwärtig, bei vielen psychischen Erkrankungen. Er dient der Abwehr unerwünschter Gefühle wie Angst und Kontrollverlust. Nur weil jemand einen Zwang entwickelt hat, leidet er also noch lange nicht unter einer Zwangserkrankung. Hier wird Missverständnissen Tür und Tor geöffnet.

Wo wäre Skin Picking denn besser aufgehoben?

Vorher galt Skin Picking als Impulskontrollstörung - und dahin passt es meiner Meinung nach auch viel besser. Und es ist eine so himmlisch unverständliche Diagnose: Sie stigmatisiert die Patienten nicht so sehr. Zwangsstörungen dagegen gelten als schwer therapierbar. Ein Patient, bei dem eine Zwangsstörung diagnostiziert wird, fällt gleich in eine prognostisch ungünstige Gruppe.

Und was bedeutet das für den Betroffenen?

Er findet vielleicht keinen Therapeuten, weil die Behandlung von Zwangsstörungen bei Therapeuten als anstrengend und nur mäßig erfolgversprechend gilt. Noch schlimmer wird es, wenn ein Arzt oder Psychologe einem Patienten attestiert, er hätte eine „zwanghafte Persönlichkeitsstörung“. Denn die gilt als noch schwerer therapierbar. Skin Picker haben jedoch in den meisten Fällen gar keine so schwerwiegende Störung. Die Einsicht in die eigene Störung unterscheidet Skin Picker deutlich von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen. Meistens funktionieren sie ja auch sehr gut im beruflichen Umfeld. Wie Sie sehen: Es gibt Diagnosen, die dem Patienten mehr schaden als nützen.

Warum haben dann die Autoren des DSM-5 Skin Picking dann Ihrer Meinung nach in der Nähe bei den Zwangsstörungen untergebracht?

Hier sprechen Sie ein ganz heißes Eisen an. Besonders in Europa gibt es Kritik am DSM-5: Viele der maßgeblichen Autoren sollen der Pharma-Industrie nahestehen, forschen beispielsweise für Pharmafirmen oder erhalten Vortragshonorare. Europäische Psychotherapeuten sehen die Gefahr, dass immer mehr Menschen Medikamente erhalten, wenn im DSM-5 die Kategorie der Zwangsstörungen so sehr ausgeweitet wird: Zur Behandlung werden dann ja fast regelhaft Psychopharmaka empfohlen.

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http://meine-haut.blogspot.com/2015/01/es-ist-diese-hilflose-wut.html

Dienstag, 13. Januar 2015

Skin Picking Newsletter Januar 2015

Frohes neues Jahr allerseits! :)

Inhalt:
  1. Unser nächstes Treffen
  2. Bitte macht mit! Studie zur Diagnose von Skin Picking
  3. "Mein Leben mit Skin Picking" - tolles Blog einer 17-Jährigen
  4. Geplante Aktivitäten für 2015
  5. Artikel über Skin Picking im "Ärzteblatt"
  6. Weitere Treff-Termine
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  1. Das nächste Treffen unserer Selbsthilfegruppe ist am
Montag, 19. Januar 2015
19 Uhr
im "gesundheitsladen köln", Venloer Straße 46, Erdgeschoss

Leicht erreichbar mit Stadtbahn-Linie 5 (Haltestelle Hans-Böckler-Platz) und per S-Bahn (Haltestelle Bahnhof West).
Eingeladen sind wie immer alle von Dermatillomanie (Skin Picking, Acné excoriée) und Trichotillomanie Betroffenen. <3

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  1. Bitte macht mit: Fragebogen zur Diagnose von Skin Picking!

    Christina Gallinat studiert Psychologie an der Universität Heidelberg. Für ihre Masterarbeit hat sie sich einen englischsprachigen Diagnose-Fragebogen für Skin Picking vorgenommen: Sie untersucht, ob man ihn für Deutschland übernehmen kann. Dazu hat sie den Fragebogen übersetzt und zum anonymen Ausfüllen ins Netz gestellt. Je mehr Menschen ihn ausfüllen, umso aussagekräftiger sind die Ergebnisse!

    Link zum Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/HautundWohlbefinden/

    Im zweiten Schritt wird gefragt, wie sinnvoll der Fragebogen ist und ob er in der praktischen Arbeit nützt.
    Das Ausfüllen dauert 10 bis 15 Minuten.
    Und hier geht's zum Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/HautundWohlbefinden
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  1. "Mein Leben mit Skin Picking" - tolles Blog
"Ich habe mich getraut!" Jacqueline ist stolz auf sich, denn sie ist ungeschminkt ins Theater gegangen. In ihrem Blog "Mein Leben mit Skin Picking" berichtet die junge Frau von ihren Erlebnissen.
Profilfoto von Jacqueline. Link zum Blog: http://mein-leben-mit-skinpicking.blogspot.de/
Das macht Mut und ist sehr lesenswert!

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  1. Geplante Aktivitäten der Selbsthilfegruppe für 2015

    Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr so viele Anregungen erhalten habe – Und hier sind die Vorschläge:
    - Vortrag einer Hypnotherapeutin – was kann Hypnose bei Skin Picking leisten?
    - Vortrag einer Ernährungsberaterin – hängen Hautbild und Ernährung zusammen?
    - Vortrag einer Hautärztin: Was sind die körperlichen Aspekte von Skin Picking, welche Hautpflege empfhiehlt sie, was kann man mit Medikamenten erreichen?
    - Vortrag einer Therapeutin über die "Bürokratie" rund um Psychotherapie: Welche unterschiedlichen Therapieformen gibt es, welche davon sind für Skin Picking besonders geeignet, wie verläuft die nervenaufreibende Therapeutensuche möglichst kurz und stressfrei?
Ob wir das alles in diesem Jahr schaffen, weiß ich nicht – aber die Themen bleiben ja auch 2016 aktuell ;) Wenn Termine gesetzt sind, erfahrt ihr es hier im Newsletter.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

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  1. Artikel im Ärzteblatt über Skin Picking
Je mehr Fachleute über Skin Picking erfahren, desto besser für Betroffene. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass das "Ärzteblatt" einen langen Artikel über Skin Picking in seiner Dezemberausgabe gebracht hat. Auch wenn er nicht ganz aktuell ist: Die Autorin ordnet Skin Picking den Impulskontrollstörungen zu. Es fehlt jeder Hinweis darauf, dass Skin Picking im amerikanischen Diagnosemanual DSM-5 inzwischen unter "Zwangsstörungen und Verwandte" einsortiert ist – ob zurecht oder nicht, ist dann noch mal eine andere Frage.

Hier der Link zum Text:  http://www.aerzteblatt.de/archiv/165551

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  1. Weitere Treff-Termine der Selbsthilfebgruppe – zum Eintragen in den Kalender:
    Montag, 16. Februar, 19 Uhr
    Montag, 16. März, 19 Uhr
    Montag, 20. April, 19 Uhr
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So, das war's schon wieder!
Einen schönen Start in 2015 wünscht euch
das Krätzchen

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Montag, 29. Dezember 2014

"Ich bin ein Mensch, kein Versuchskaninchen!"

Selbst Angela Hartlin, die exponierteste Skin-Picking-Aktivistin weltweit, sucht noch immer nach einem kompetenten Therapeuten. In einem Blog berichtete die Kanadierin vor kurzem, dass sie nach acht Jahren ohne Therapie wieder ihren Mut zusammengenomen und einen Versuch unternommen hat, mit therapeutischer Hilfe ihr Skin Picking doch noch zu überwinden.


Angela Hartlin. Bild: http://bit.ly/1vmNM0K

Doch offenbar war der Fachmann (oder die Fachfrau) nicht bereit, sich zum Thema Skin Picking fortzubilden. Dabei gibt es in den USA und Kanada ein sogar recht kompaktes und kostengünstiges Fortbildungsangebot. Deshalb brach Angela die Therapie nach drei Sitzungen ab. "Ich bin ein Mensch, kein Versuchskaninchen!", beharrt sie.

Mehr Infos dazu gibt es hier: http://blog.trich.org/2014/12/23/angela-broke-up-with-her-therapist-heres-why-you-should-care/

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http://meine-haut.blogspot.com/2014/12/ich-bin-kein-mensch-kein.html

Montag, 8. Dezember 2014

Skin Picking Newsletter Dezember 2014

Selbsthilfegruppe Skin Picking Köln, Newsletter #53, Dezember 2014

Hallo zusammen! :)

Inhalt:
  1. Unser nächstes Treffen
  2. Aufruf: Buchprojekt
  3. Rückblick: "Ihr seid mutig" – unsere SHG bei einer Fortbildung für Medizinische Fachangestellte
  4. Pläne für kommendes Jahr – Ideensammlung!
  5. Weitere Treff-Termine
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  1. Unser nächstes Treffen ist am
Montag, 15. Dezember, 19 Uhr
im "gesundheitsladen", Venloer Straße 46, Erdgeschoss.

Der Treffpunkt ist leicht mit den Öffentlichen zu erreichen: U-Bahn-Haltestelle "Hans-Böckler-Platz" und S-Bahn-Haltestelle "Köln West", dann nur 1-2 Minuten Fußweg.

Eingeladen sind wie immer alle, die an Dermatillomanie oder Trichotillomanie leiden! :)
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  1. Aufruf: Buchprojekt!
Ein paar von euch wissen es schon, aber jetzt ist es an der Zeit, das Ganze an eine etwas größere Glocke zu hängen: Jawoll, wir planen ein Buch über Skin Picking – von Betroffenen für Betroffene! Herausgeberin/Autorin bin ich, Co-Autorin Barbara Schubert (einige kennen sie sicherlich schon als Therapeutin).

Ein wichtiger Teil des Buches sind Geschichten von Betroffenen – über ihr Leben mit Skin Picking. Vielleicht kennt ihr "Project Dermatillomania – the Stories Behind Our Scars" (siehe Link: http://www.goodreads.com/book/show/20959902-project-dermatillomania). Das Buch ist vor ein paar Monaten erschienen. Wir wollen auch, wie in diesem Buch, Betroffene sprechen lassen. Nicht nur durch Worte, sondern auch durch Bilder!

Buchtitel "The Stories Behind Our Scars" Bild: PR
Daher hier ein zweifacher Aufruf:
  • Wir haben schon viele Geschichten von Menschen zwischen 25 und 50. Was wir noch brauchen, ist ein Beitrag von einem jungen Menschen zwischen 15 und 20. Außerdem sind Geschichten von Männern hochwillkommen, da bisher unterrepräsentiert!
  • Wir sind auf der Suche nach Bildern, die einen kreativen Umgang mit Skin-Picking zeigen. Das dürfen ruhig Fotos sein, auf denen Pickel zu sehen sind – wenn sie in einen Zusammenhang gebracht werden. Als Beispiel und Inspiration verlinke ich hier Lilis Beiträge auf meiner Webseite: http://www.skin-picking.de/%C3%BCber-skin-picking/fotos/
Sämtliche Beiträge werden selbstverständlich auf Wunsch anonymisiert! Wir brauchen nur ein Pseudonym der/des Einsendenden sowie Infos zu seinem/ihrem Alter und ungefähren Wohnort.

Bitte schicke deine Geschichte/ deine Bilder an diese Adresse: dermatillomanie@gmx.de Das ist auch die Adresse, falls du dazu noch Fragen hast.
Vielen Dank! :)
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  1. Rückblick: "Ihr seid mutig" - unsere Selbsthilfegruppe bei einer Fortbildung für Medizinische Fachangestellte
Nicht nur der Arzt kann helfen – auch medizinische Fachangestellte (MFA – früher "Sprechstundenhilfen" genannt) können ein offenes Ohr für Patienten haben. Und vielleicht haben sie sogar Gelegenheit, Patienten in vertraulichen Situationen auf das Angebot von Selbsthilfegruppen hinzuweisen.
Das ist die Idee einer Fortbildungsveranstaltung für MFA, die in der Selbsthilfekontaktstelle Köln * Mitte November stattfand. Hier hatten Selbsthilfegruppen Gelegenheit, sich medizinischem Fachpersonal vorzustellen – die nutzte ich natürlich gerne! Mit dabei war ein sehr netter Kollege von der Kölner Selbsthilfegruppe "Soziale Ängste".
Zunächst wurde erklärt, was psychische Störungen sind. Dann stellte Claudia Daubenbüchel von der Selbsthilfe-Kontaktstelle mit Hilfe eines Interviews mit uns dar, was Selbsthilfe ist und wie sie konkret abläuft. Keine von den Fachangestellten kannte Skin Picking, viele waren erstaunt, dass es so eine Störung gibt. Deshalb erklärte ich es genauer. Jede MFA bekam außerdem einen Flyer unserer Selbsthilfegruppe. Da es über 30 Teilnehmerinnen waren, haben wir hier eine enorme Aufklärungsquote!
Es gab aber auch durchaus kritische Fragen von den MFA, zum Beispiel fragte eine, die in einer psychiatrischen Praxis arbeitet: "Wie soll ich den Patienten eine Selbsthilfegruppe schmackhaft machen, wenn sie noch nicht einmal das Angebot annehmen, in Gruppentherapie zu gehen?" Ich antwortete, dass es bei Selbsthilfegruppen keine Wartelisten gibt, dass sich Betroffene hier unter Gleichen befinden und dass sie oft zum ersten Mal in ihrem Leben mit Menschen sprechen, die ihre Situation völlig verstehen können. Außerdem können sie hier selber aktiv werden und so aus ihrer Opferrolle herauskommen.
Zum Schluss dankten uns die MFA, dass wir den Mut hatten, so offen über unsere psychische Störung zu reden.
Im Januar wird die Veranstaltung mit anderen Teilnehmern wiederholt, ich werde dann wohl noch
mal hingehen und über unsere SHG aufklären. Es sei denn, jemand anders möchte – ich geb den Job auch gerne ab! Bei Interesse bitte unter dermatillomanie@gmx.de melden – die Veranstaltung ist am 28. Januar nachmittags 15 bis 18 Uhr.
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  1. Pläne fürs kommende Jahr – Ideensammlung!
Es wird wieder Zeit, finanzielle Förderung für unsere Selbsthilfegruppe zu beantragen. Wenn ihr Wünsche und Ideen habt, was wir im kommenden Jahr Außergewöhnliches machen könnten, meldet euch bitte! Ein Vorhaben ist schon in Planung: Eine Hypnotherapeutin wird uns besuchen und berichten, wie sie mit Hypnose gegen Skin Picking arbeitet.
Weitere Ideen sind herzlich willkommen! :)
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Weitere Treff-Termine zum Abspeichern:
19. Januar, 16. Februar, 16. März
... immer am dritten Montag eines Monats, immer 19 Uhr
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So, das war's schon wieder!
Eine schöne Weihnachtszeit wünscht euch
Ingrid

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Freitag, 21. November 2014

Eine Barbie mit Akne - eben ganz normal schön!

Mit dieser Barbie hätte ich als Kind viel lieber gespielt als mit der dürren Bohnenstange von Mattel: Jetzt gibt es eine der Barbie nachempfundene Puppe, die - und das ist der große Unterschied! - die Proportionen eines normalen 19-jährigen Teenagers hat.


Mit Akne - aber genauso liebenswert! Bild: Nickolay Lamm
Entwickelt hat sie ein Puppenkünstler namens Nickolay Lamm, weshalb seine Kreation auch "Lammily" heißt. Die Botschaft hinter dem Konzept: "average is beautiful", also durchschnittliches Aussehen ist schön. Wenn man sich Lammily im Vergleich zur Barbie in Lebensgröße vorstellen würde, hätte sie geschätzte 20 Kilo mehr als ihr magersucht-verdächtiges Vorbild, dabei wäre sie ebenfalls geschätzte 20 Zentimeter kleiner. Errechnet hat Lamm die Proportionen anhand statistischer Daten des US-Gesundheitsministeriums. Dahinter steckt offenbar die Überzeugung, dass Barbies nie erreichbares Schönheitsideal Kindern schadet, weil sie auch so makellos aussehen wollen.


Vergleich zwischen Barbie und Lammily. Bilder: Nickolay Lamm
Lamm geht genau in die andere Richtung: Um den realistischen Eindruck perfekt zu machen, liefert er auf Wunsch gleich Accessoires mit, zum Beispiel einen Aufkleber fürs Gesicht, der Akne darstellt! Für die Oberschenkel gibt's Cellulite-Aufkleber, für den Bauch Dehnungsstreifen. Tattoos und auch Wundnarben sind vorrätig. Letzteres veranlasste die Schweizer Boulevardzeitung "20 Minuten" zu der unschönen Schlagzeile "Narbie statt Barbie".
Ab Ende November kommen die ersten Puppen in die Läden. Lemm hat das Projekt per Crowdfunding möglich gemacht. Über 19.000-mal wurde Lemmily nach seinen Angaben schon vorbestellt.
Mal sehen, wie die realistischere Puppe bei den Kindern ankommt - und ob Hungerhaken-Barbie dann überhaupt noch eine Chance hat!

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http://meine-haut.blogspot.com/2014/11/eine-barbie-mit-akne-eben-ganz-normal.html

Montag, 10. November 2014

Skin Picking Newsletter November 2014


Selbsthilfegruppe Skin Picking, Newsletter November 2014


Hallo zusammen! :)

Inhalt:

  1.  Unser nächstes Treffen 
  2. Angehörige willkommen (mit Ankündigung)!  
  3. Thema nächstes Mal: Meditations-CD 
  4. Yeah! Mehr als 100 Likes für “In meiner Haut“!  
  5. Weitere Treff-Termine 
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1. Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe ist am

Montag, 17. November

19 Uhr

… im „gesundheitsladen Köln“, Venloer Straße 46, Erdgeschoss. Leicht erreichbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: S-Bahn-Haltestelle Köln-West, U-Bahn-Haltestelle Hans-Böckler-Platz.

Eingeladen sind wie immer alle von Skin Picking und Trichotillomanie Betroffenen.

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2. Angehörige willkommen (mit Anmeldung)!

Übrigens: Wenn ihr eure/n Lebenspartner/in oder eine/n Angehörigen zum Gruppentreffen mitbringen möchtet, zum Beispiel als Rückenstärkung, ist das kein Problem. Ich bitte dann nur um eine kurze Ankündigung an diese Mailadresse: dermatillomanie@gmx.de.

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3. Thema nächstes Mal: Meditations-CD

Zum nächsten Gruppentreffen am 17. November bringe ich die Meditations-CD „Hautprobleme“ von Ruediger Dahlke mit. Dahlke ist einer der Päpste in Sachen Psychosomatik, also der Verbindung von körperlichen und seelischen Leiden. Von ihm ist beispielsweise das Buch "Krankheit als Chance". Dahlke hat auch eine Reihe von Meditations-CDs zu verschiedenen Themen herausgegeben, darunter Hautprobleme. 

Meditations-CD "Hautprobleme" von Ruediger Dahlke.
"Die Haut ist wie eine Landkarte der Seele. Auf ihr bildet sich nach außen ab, womit die Seele innen nicht mehr allein fertig werden kann", sagt Dahlke. Meditation soll als eine Art Anleitung zur Selbstheilung dienen. Ich schlage vor, wir hören uns die CD gemeinsam an – ich habe sie mir schon einmal (teilweise) angehört und fand sie eigentlich ganz passend für uns. Bin gespannt auf eure Rückmeldungen! :D

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4. Yeah! Unsere Facebook-Seite „In meiner Haut“ hat über 100 Likes!

Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht: Die Facebook-Seite „In meiner Haut“, die vor gut drei Monaten gestartet ist, hat inzwischen mehr als 100 Likes! J Jeder Nutzer, der diese Seite oder einen auf ihr geteilten Inhalt mit einem „gefällt mir“ markiert, trägt dazu bei, dass Skin Picking bekannter wird und dass Betroffene nicht mehr im Stillen leiden müssen.

Danke für eure Likes – und macht bitte weiter so ;) Hier geht’s zu der Seite:


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5. Weitere Treff-Termine – zum Abspeichern
Wir treffen uns immer am dritten Montag eines Monats um 19 Uhr. Unsere weiteren Treff-Termine sind:

15. Dezember, 19. Januar, 16. Februar

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So, das war’s schon wieder! Eine stressfreie Vorweihnachtszeit wünscht euch Ingrid
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Freitag, 31. Oktober 2014

Wenn nur "weiß" gleich "rein" ist: Bleaching Addiction

Nicht nur Skin Picker sind so sehr auf ihre Haut fixiert, dass die geistige Beschäftigung damit große Teile des Tages einnimmt. Während bei Skin Pickern das Schönheitsideal einer glatten, ebenmäßigen Haut zur fixen Idee wird und die eigene Haut demgegenüber als beschädigt und unrein wahrgenommen wird – ob nun real oder eingebildet –, leiden viele Dunkelhäutige darunter, dass sie ihre Haut für zu dunkel halten. Obwohl jeder gesund denkende Mensch sagen würde, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe genauso schön sind wie solche mit heller Haut und dass gerade die Vielfalt von unterschiedlichen Farbtönen auf der Welt zur Schönheit beiträgt: Das normative Ideal ist nach wie vor die helle Haut. 



Der US-amerikanische Musiker und Spoken Word Artist Saul Williams ist dafür bekannt, Dinge auszusprechen, mit denen andere hinter dem Berg halten. Mit seinen Songs sorgt er immer wieder für Aufregung. In dem Rapsong „Black Stacey“ gibt er zu, dass er in der Schule darunter litt, wegen seiner Hautfarbe gehänselt zu werden. „My complexion had me stuck in an emotional rut“, reimt er. Seine Hautfarbe wird zu einer Obsession, die ihn nicht mehr loslässt: „They say "You're too black man", I think I'm too black/ Mom, do you think I'm too black?, I think I'm too black/I think I'm too black/ I think I'm too black/ You're black, you're black, you're black, you're black.“ Da knickt er ein: „I used to use bleaching cream“, bekennt Williams. „I dreamt of being white and complimented by you/But the only shiny black thing that you liked was my shoes.“ Radikale Ehrlichkeit. Ein beschämendes Eingeständnis im doppelten Sinne: für einen Dunkelhäutigen, dass er so sein wollte wie die früheren Slave Masters, die Herrschenden. Und für einen Mann, dass er Kosmetikprodukte benutzt, was in Macho-Kulturen nur Frauen zugestanden wird und ihn daher in die Nähe der Homosexualität rückt – gerade im Hiphop oft noch immer ein No-Go. 

Dencia vor und nach dem Benutzen einer von ihr propagierten Bleichcreme. Bild: Bella Naija
Diese Bleichprodukte („bleaching cream“) sind ein Renner in Afrika und Indien, obwohl ihr Verkauf in einigen Ländern verboten ist. Auch in Deutschland kann man Bleaching Creams verschiedener Marken in Afro-Shops kaufen. Dabei stehen viele dieser Produkte im Verdacht, Hautkrebs zu erzeugen: Sie entfernen das Melanin aus der Haut, das vor UV-Strahlen schützt. Weitere mit Hautbleichern in Verbindung gebrachte Nebenwirkungen sind Nierenversagen, Leberschäden, Ekzeme, Merkurvergiftung. Der indische Arzt Dr. Nitin Walia sagt:Ungefähr 30 Prozent der Langzeitnutzer berichten von schädlichen Nebenwirkungen.“


Immer wieder schlägt die Diskussion um Weißmacher hohe Wellen, vor allem wenn schwarze Frauen dafür Werbung machen. So wie Ende 2013/Anfang 2014 die westafrikanische Popsängerin Dencia (aus Nigeria/Kamerun). Sie warb für eine Bleichcreme namensWhitenicious“. Der Produktname ist eine Wortzusammensetzung aus „whiten“ (weiß machen) und „delicious“ (köstlich). 24 Stunden nach dem Beginn ihrer Werbekampagne waren alle Vorräte der Creme ausverkauft, kurz darauf setzte aber auch schon massive Kritik in den Medien ein. Zwar warb Dencia mit dem WerbespruchSay goodbye to dark spots forever” - die Creme sollte also angeblich nur dazu dienen, dunkle Pigmentflecken aufzuhellen. Doch Dencia präsentierte sich dazu knapp bekleidet mit einer Haut, die deutlich heller war als noch einige Monate zuvor. So ging es im Werbetext um einzelne Flecken, im Bild um den ganzen Körper.
 
In einem Interview im britischen TV-Sender Channel 4 wurde Dencia mit der Kritik konfrontiert, sie gebe in ihrer Werbekampagne ein schlechtes Vorbild für schwarze Mädchen ab und ihr Verhalten würde dazu führen, dass sich junge Mädchen für ihre dunkle Haut hassen. Sie antwortete: „Wenn sie glauben, ihr ganzer Körper wäre ein dunkler Fleck – ist in Ordnung! Weil: So empfinde ich das nicht.“ Danach gefragt, was „weiß“ für sie bedeutet, sagt Dencia: „Weiß heißt rein, nicht notwendigerweise auf die Haut bezogen, sondern ganz allgemein.“ Die ganze Haut tagtäglich mit aggressiven Kosmetika einzureiben ist für sie kein Problem: Das sei doch so, als würde man sich die Haare blondieren.
 


Natürlich lässt sich die Situation von Dunkelhäutigen nicht mit der von Skin-pickern gleichsetzen. Es gibt viele Unterschiede. Beispielsweise, dass Dunkelhäutige ihr Leben lang, auch schon als kleine Kinder, unter Rassismus (der weißen Norm) leiden, während Skin-picker meistens erst in der Pubertät ein Problem mit ihrer Haut bekommen. Und während bei Schwarzen der Zustand desAndersseins“, des Nichterfüllens der weißen Norm, ein Leben lang anhält, haben Skin-picker ja meist nur ein paar Jahre lang Akne. Was danach für ein unebenes Hautbild sorgt, ist meistens selbst-verursacht. Aber gerade das wird ihnen auch häufig vorgeworfen.


Die jahrelange, exzessive Anwendung von Bleichcremes wird in den USA auch „Bleaching addiction“ (Aufhellungssucht) genannt. Paradoxerweise geben andererseits hellhäutige Menschen viel Geld dafür aus, dunkler zu werden. Sie beschmieren sich mit Selbstbräunern oder gehen ständig ins Sonnenstudio und riskieren dabei ebenfalls Hautkrebs. Ins Krankhafte gesteigert, hat dieses Verhalten seit einigen Jahren den Namen „Tanorexie“ – eine Zusammensetzung vonAnorexie“ (Magersucht) und „tanning“ (bräunen).


Doch immer geht es im Kern darum, dass man glaubt, das eigene Sein – das, was man nicht umhin kann, nach außen hin von sich, seinem Körper zu zeigen – sei nicht in Ordnung. Ob Farbe oder Hautunebenheiten. Eine Reaktion darauf ist Bleaching Cream, eine andere Skin Picking. Der Versuch, sich dem Ideal anzupassen. Denn so fängt Skin Picking oft an: in dem irrigen Glauben, man würde seiner Haut durch die Manipulationen helfen, glatter zu werden. Den Pickel ausdrücken, bevor er richtig dick und auffällig wird. Mitesser ausdrücken, damit die Haut glatter erscheint. Am Ende wird nicht nur jeder „echte“, noch so kleine Makel bearbeitet, sondern auch ganz gesunde Poren, die unter dem sensiblen Abtasten der Finger irgendwie „hervorstehen“. 
Skin Picker vertrauen nicht darauf, dass die Natur es schon richtig macht, sondern sehen ihre eigene Natur – die diese Hautunreinheiten hervorbringt – als das eigentliche Problem. Da muss man nachhelfen, damit die Haut die Talg-und Eitereinschlüsse schneller freigibt. Mit dem Finger, aber auch mitInstrumenten wie Nadeln oder Pinzetten. Und ebenso sehen Dunkelhäutige, die Bleaching Cream benutzen, ihre eigene Natur als das Problem an, das es zu beseitigen gilt – mit Hilfe von Kosmetika. Kosmetika, die auf lange Sicht dazu führen können, dass die eigene Haut erkrankt.


Quellen:

- http://www.dailymail.co.uk/indiahome/indianews/article-2384456/Skin-whitening-creams-cause-long-term-damage-doctors-warn.html#ixzz3B7orJrW5 
- https://www.youtube.com/watch?v=8PpdXOHL5Wc

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Freitag, 24. Oktober 2014

Kampf am Frühstückstisch - Beziehungen im Zwang

Jeden Morgen schon ein Kampf am Frühstückstisch, so sah die Beziehung zwischen Frank und Katrin S. noch vor einigen Jahren aus. "Hast du dir die Hände gewaschen?", fragt Katrin, als er ihr das Kaffeemilch-Kännchen reicht. Die Frage hat Frank schon befürchtet, denn Katrin ist zwangskrank, sie hat Wasch-und Kontrollzwänge. Jetzt wähnt sie, auf Franks ungewaschener Hand würden sich gefährliche Bakterien tummeln. Mit dem Griff zum Milchkännchen, so ihre Zwangsgedanken, hat er das Porzellan kontaminiert. "Ich halte das nicht mehr lange aus!", explodiert Frank. "Du weißt, dass ich mir die Hände gewaschen habe. Ich wasch mir die Hände immer!" Doch es nützt nichts: Schon wieder entspinnt sich ein aufwendiges Reinigungsritual, das letztlich dazu führt, dass beide zu spät zur Arbeit kommen.

Katrin und Frank spielen im Workshop einen Beziehungsstreit vor. Bild: Ingrid Bäumer

Diesen Frühstücksterror spielt das junge Paar einem 18-köpfigen Publikum vor. Wir befinden uns in der Schön Klinik Bad Bramstedt, wo die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen eine Fachtagung über Zwänge und Zwangsspektrumsstörungen abhält.** Frank und Katrin sind keine Therapeuten, sie waren jahrelang selbst betroffen: Katrin war lange zwangskrank, hat dies aber überwunden, unter anderem mit Hilfe einer stationären Therapie. Und Frank ist ihr langjähriger Partner, der trotz aller Belastungen immer zu ihr gehalten hat. Wie hält man es aus mit einem Menschen, der sich im Gefängnis des Zwangs befindet und der sogar seinen Partner in die verrücktesten "Zwangsvorschriften" einbezieht ?

Seit Skin Picking im DSM-5 erstmals als eigene Diagnose geführt wird, ist es eingegliedert in die Gruppe "Zwangserkrankungen und verwandte Störungen". Da ist es nur normal, Ähnlichkeiten zwischen Zwängen und Skin Picking zu suchen. Kann man Beziehungen zwischen "Gesunden" und Zwangskranken mit Beziehungen zwischen Gesunden und Skin Pickern vergleichen?

Sehr ähnlich sind sich Picker und Zwängler in dem, was sie sich von ihrem Partner wünschen, so ein Ergebnis des Seminars. "Keine dummen Sprüche", steht auf der langen Wunschliste. Und auch: "Verständnis, liebevoller Druck, keine Vorwürfe, geliebt werden, so wie ich bin."

Holger* hat magische Zwangsgedanken, die er auch ausagieren muss. So muss er aus Angst vor anderweitigen schlimmen Konsequenzen immer wieder einen Türrahmen berühren. Er hat mit seiner langjährigen Partnerin ausgemacht, dass sie ihm Zeit und Ruhe lässt, wenn sie sieht, dass er wieder zwängelt. "Sie erkennt an, dass es eine Krankheit ist", sagt Holger. "Wir haben beschlossen, dass sie mir bei meinen Zwängen nicht helfen kann - und ich will sie damit nicht belasten."

Doch wie soll diese saubere Abgrenzung funktionieren, wenn der Angehörige "nicht mitspielt"? Silke* berichtet von ihren Reinlichkeitszwängen: Was auf den Boden gefallen ist, das ist für sie kontaminiert. Sie kann es nicht mehr anfassen aus Angst, sich mit Krankheitserregern zu infizieren. Doch wenn ihr Freund sich morgens anzieht, lässt er achtlos den Schlafanzug auf den Boden fallen. "Schon oft habe ich ihm gesagt, er soll  ihn doch bitte über den Stuhl hängen", erzählt Silke. "Doch er ignoriert das einfach." Für die voll berufstätige Vierzigjährige heißt das: Noch mehr Zeit und Energie gehen drauf für aufwendige Dekontaminierungs-Rituale.

Natürlich, hakt Seminarleiterin Katrin ein, wünschen sich viele Betroffene, dass ihre Partner es ihnen nicht noch schwerer machen. Aber wenn die Partner einbezogen werden und sich dem Zwang gemäß verhalten, geben sie ihm damit neue Nahrung.

Ein Dilemma. Wo ist der Ausweg? Vielleicht dürfen die Wünsche, die ein Zwangskranker an den Partner richtet, nicht zu belastend sein, sollten aber zugleich eine große helfende Wirkung im Alltag haben. "Ziel sollte es sein, gemeinsame Absprachen zu treffen, mit denen sowohl der Betroffene als auch der Angehörige zufrieden ist", fasst Katrin zusammen. Wie bei diesem beispielhaften Deal: "Wenn du schon deine Bohrmaschine auf den Tisch legst, dann häng' doch bitte deinen Schlafanzug auf den Stuhl und schmeiß ihn nicht auf den Boden." 
Denkbar ist auch, eine Zwangshierarchie aufzustellen: Diese Zwänge sind so groß, dass ich noch nicht dagegen ankomme, doch an andere könnte ich mich mal herantrauen. "Offen miteinander reden, sich gegenseitig Freiräume geben, nicht auf verhärteten Standpunkten stehenbleiben", empfiehlt Katrin beiden Seiten. Und vor allem: "das Positive in der Beziehung nutzen, um den Zwang zu minimieren."

Was können Skin Picker aus diesem Seminar mitnehmen?


Bei allen Gemeinsamkeiten: Der größte Unterschied ist aus meiner Sicht, dass Skin Picker versuchen, ihr zwanghaftes Verhalten, das Bearbeiten der eigenen Haut, mit sich selbst auszumachen - schon allein aus Scham. Sie sind bemüht, die Folgen vor dem Partner zu verbergen, also die wunden, verletzten, geröteten Hautstellen. Während Zwangskranke manchmal auch eine strapazierte Haut haben, die beispielsweise wegen exzessiven Duschens extrem ausgetrocknet ist und in Placken abgezogen werden kann, ist es vor allem die Natur einiger Zwänge, die danach verlangt, sich auf das soziale Umfeld des Kranken auszudehnen. Zwar versuchen sie aus Scham, ihr Zwängeln vor dem Partner zu verbergen. Doch der Zwang ist oft wie ein hungriges Monster, das immer mehr Futter verlangt - und vom Partner ebenfalls ein ihm gemäßes Verhalten. Dagegen ziehen Skin Picker sich eher zurück - damit ihr Partner nicht die Folgen der Selbstmanipulation bemerkt. 

Doch nicht immer kann man sich schminken oder, wenn man nackt ist, das Licht ausmachen - so dass der Partner eines Skin Pickers vor allem damit leben muss, gelegentlich die Folgen der zwanghaften Haut-Manipulation zu sehen. Selten wird er Zeuge der tatsächlichen Handlung, und auch dann bleibt er Zuschauer, wird nicht aktiv einbezogen. Es sei denn, als Opfer des Knibbel-Drangs: Manche Picker haben das Verlangen, auch die Haut ihres Partners zu bearbeiten. Sie stürzen sich auf Pickel, Mitesser und alle anderen Unebenheiten beim Anderen. Das ist eine übergriffige Handlung, zumal wenn sich die Betroffenen vom ¨Nein¨ des Partners nicht abwimmeln lassen. Aber das sind eher seltene Fälle, während es bei der klassischen Zwangserkrankung die Norm zu sein scheint, dass der Partner in das Zwangssystem einbezogen wird.

 
Und so wäre es sicherlich auch keine Lösung für Picker, wenn sie ihr Knibbeln und Quetschen allein mit sich selbst ausmachen. Von ihrem Partner brauchen sie zumindest eine Gewissheit: dass sie auch mit ihren Macken geliebt werden. Und darin sind sie sich mit den Zwangskranken wieder einig. Oder, wie Holger es formuliert: "Was, wenn ich bis an mein Lebensende nicht von diesem Zwang freikomme? Das ist ganz wichtig zu klären: Kann mein Partner auch dann mit mir zusammen leben?"


* Name geändert
** Die Tagung fand vom 26. bis 27. September 2014 statt

Ich habe Katrin S. den Text zu lesen gegeben, da ich nur aus der Warte der von Skin Picking Betroffenen sprechen kann. Der Text enthält einige Aussagen über Zwänge, die nur meinen Eindruck wiedergeben, den ich aus dem Seminar mitgenommen habe. Darum hier Katrins Kommentar zu dem Text:

Es lässt sich so pauschal nicht sagen, dass die Partner/Angehörigen grundsätzlich mit ins Zwangssystem einbezogen werden. Auch hier gehören ja immer zwei dazu – der eine, der den Wunsch der Unterstützung äußert und derjenige, der diesem Wunsch nachkommt. Hier ist jeder für sein eigenes Handeln verantwortlich.

Eine lange Zeit machen auch Zwangsbetroffene alles mit sich allein aus, ebenfalls aus Scham. Schwierig wird es erst dann, wenn der Zwang zum einen nicht mehr zu verheimlichen ist (vergleichbar mit dem Sichtbarwerden von Skin Picking), zum Beispiel weil zu viele Zwänge auf einmal auftauchen oder der Zwang an sich zu stark ist, so dass er auch für andere offensichtlich wird.

Dann kann es sein, dass Partner/Angehörige um Unterstützung gebeten werden, weil es dem Betroffenen so scheint, als könne er das alles allein nicht mehr bewältigen. Die Unterstützung des Partners wird dann als Entlastung empfunden. Schwierig ist es ebenfalls, wenn gemeinsame Lebensbereiche betroffen sind – so beispielsweise, wenn Dinge des Anderen berührt werden und der Betroffene dieses nur schlecht oder gar nicht aushalten kann, weil sie für ihn gedanklich „kontaminiert“ sind.

Es gibt aber auch Zwänge, bei denen der Partner fast keine Unterstützung leisten kann, selbst, wenn er es wollte – so ist es beispielsweise bei Gedankenzwängen, bei denen keine sichtbare Handlung erfolgt, sondern allein die Zwangsgedanken gedanklich „bearbeitet“ werden müssen.
Ich weiß nicht, wie es beim Skin Picking ist – ist die eigentliche Handlung manchmal positiv besetzt (so wie es bei der Trichotillomanie manchmal ist)? Wenn es so ist, wäre dies wohl ein Unterscheidungsmerkmal: die Zwangsgedanken und -handlungen werden als quälend und belastend empfunden, das Gefühl der Erleichterung tritt erst ein, nachdem Gedanken und Handlungen durchgeführt und abgeschlossen wurden ... bis zum nächsten Zwangsgedanken.
Wichtig finde ich, dass beide Partner sich immer wieder ihrer eigenen Grenzen (auch Belastungsgrenzen) bewusst werden und diese auch ganz offen kommunizieren, um so zu gemeinsamen Absprachen zu gelangen. Du hast ja ebenfalls beschrieben, dass es eine klare Grenzüberschreitung ist, den Partner beim Picking einzubeziehen, selbst wenn dieser ein klares Nein geäußert hat. Das ist vergleichbar mit der Bitte eines Zwangsbetroffenen an seinen Partner, ihn zu unterstützen oder irgendetwas zu unterlassen. Der Partner kann dann dieser Bitte nachkommen, um dem Betroffenen zu helfen oder auch manchmal, um selbst eben „seine Ruhe zu haben.“ Wenn der Partner jedoch klare Grenzen setzt, wozu er bereit ist und wozu eben nicht, so wäre es für beide Seiten hilfreich, diese Grenzen zu respektieren. Obwohl gerade dies, wie wir ja im Workshop gesehen haben, nicht immer einfach ist.

Selbsthilfe ist grundsätzlich ein guter Berater. Eine Selbsthilfegruppe besuchen, sich mit Hilfe von Literatur schlau machen, eine eigene Zwangshierarchie aufstellen, Expositionen in Eigenregie oder im Rahmen einer ambulanten oder stationären Therapie) durchführen.