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Montag, 14. November 2016

Teilnehmer gesucht für Therapie-Studie, neue Geschichten auf der Website: November-News

Hallo zusammen,


es gibt wieder einmal viele freudige Neuigkeiten. Drum nicht lange drum herum geredet – hier der

Inhalt:


  1. Unser nächstes Treffen – mit Vortrag!
  2. Teilnehmer*innen gesucht für neue Therapie-Studie
  3. Neue Skin Picking-Geschichten
  4. Skin Picking kommt wahrscheinlich ins ICD-11
  5. Unser Buch verkauft sich wie geschnitten Brot
  6. Weitere Treff-Termine

Zu 1. Unser nächstes Treffen - mit Vortrag!


findet statt am:
Montag, 21. November
Um 19 Uhr.

Ort ist wie (fast) immer der gesundheitsladen Köln, Venloer Straße 46, Erdgeschoss. Eine Anfahrtsbeschreibung findet ihr hier: http://www.gesundheitsladen-koeln.de/index.php?pg=9

Eingeladen sind wieder alle, die an Skin Picking oder einer ähnlichen Erkrankung wie beispielsweise Trichotillomanie oder Onychophagie leiden. Angehörige und Freunde sind als „moralische Unterstützung“ ebenfalls willkommen.

Dieses Mal hält Diplom-Psychologin Viktoria Ritter aus Frankfurt einen Vortrag und stellt ihre neue Studie vor – mehr dazu im nächsten Punkt.

Zu 2. Neue Therapie-Studie: Teilnehmer*innen gesucht!


Beim nächsten Treffen begrüßen wir Diplom-Psychologin Viktoria Ritter. Sie arbeitet schon lange mit Professor Ulrich Stangier zusammen, der sehr bekannt ist als Experte auf dem Gebiet der Psycho-Dermatologie und der Körperdysmorphen Störung.

Körperdysmorphe Störung: Man ist besessen von einem Makel, den es gar nicht gibt. Bild: mahmoud99725, CC0

Viktoria Ritter wird eine neue Studie vorstellen, die jetzt am Institut für Psychologie der Goethe-Universität startet: Untersucht wird die Wirksamkeit der „kognitiv-emotionsfokussierten Therapie“, die das Team um Stangier und Ritter entwickelt hat. Es werden noch Teilnehmer gesucht!

Bedingung: Wer mitmachen will, muss vor allem unter der so genannten Körperdysmorphen Störung (KDS) leiden. Man spricht auch von dem eingebildeten Makel. Wer davon betroffen ist, dessen Gedanken kreisen ununterbrochen um einen Schönheitsmakel, der für die Umwelt gar nicht erkennbar ist. Viele leiden gleichzeitig unter Skin Picking und Depressionen.

Hier kommen wir Skin Picker ins Spiel: Wer vor allem unter KDS leidet, aber auch unter Skin Picking und/oder Depressionen, kann an der Psychotherapie teilnehmen, die ganz normal über die Kassen abgerechnet wird. Ganz wichtig: Die Erstdiagnose muss KDS sein und es darf keine andere Therapie parallel laufen.

Interessenten müssen bereit sein, für die bis zu 31 Sitzungen nach Frankfurt am Main zu fahren. Mit dem ICE geht das ja recht schnell, und man muss nur am Hauptbahnhof in die Straßenbahn Linie 16 oder 17 umsteigen und an der Haltestelle Varrentrappstraße aussteigen.

Die Verhaltenstherapie-Ambulanz hat schon viele Therapeuten ausgebildet und kennt sich mit Skin Picking ebenfalls aus. „Bisher bietet in Deutschland niemand eine so gute, fokussierte Therapie an“, ist Viktoria Ritter überzeugt.

Mehr erfahrt ihr in dem Vortrag kommende Woche! Und könnt ihr mehr dazu nachlesen und euch jetzt schon anmelden:
http://www.psychologie.uni-frankfurt.de/63424876/050_Kognitive_Therapie_bei_Koerperdysmorpher_Stoerung

Zu 3.: Neue Fotos und Geschichten zu Skin Picking auf unserer Website


Wer schon lange nicht mehr auf unsere Website www.skin-picking.de geschaut hat: Es lohnt sich, mal wieder einen Blick zu riskieren!

Wir haben viele neue Fotos und Geschichten von Betroffenen. Zum Beispiel von N., die 18 Jahre alt ist und an ihren Fingerknöcheln herumkaut. „Mein Grund ist keinesfalls der Wille, mich selber zu verletzen. Es ist die Sucht“, schreibt sie. „Ich muss es einfach tun, weil ich einen Drang dazu habe. Ich weiß, dass es eigentlich ekelig ist, wenn sich jemand an der Hand kaut und die Haut auch teilweise abbeißt. Aber paradoxerweise liebe ich es auch.“

Mehr von N. lest ihr hier: http://www.skin-picking.de/haut-geschichten/n-es-ist-eine-sucht-mit-bild/ (Achtung, Triggerwarnung: mit Bild!)

Zu 4. Skin Picking kommt wahrscheinlich ins ICD-11


Vielleicht habt ihr schon mal vom ICD-10 gehört. Das ist das aktuell gültige Therapiemanual der Weltgesundheitsorganisation. Sozusagen die „Diagnosebibel“ für Mediziner, auch für Psychotherapeuten. Wer eine Therapie beantragt, muss zum Beispiel einen Diagnoseschlüssel verwenden, der sich aus diesem Buch ableitet. Bisher war Skin Picking dort nicht als eigenes Störungsbild aufgeführt, es wurde nur unter „Störungen der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet“ geführt.

Das wird sich mit der nächsten Ausgabe, die 2018 erscheinen soll, sehr wahrscheinlich ändern! Im so genannten Beta Draft findet man Skin Picking als „Excoriation Disorder“ bei den „body-focused repetitive behaviors“ in der großen Gruppe „Zwangsstörungen und ähnliche“. Damit zeichnet sich ab, dass das ICD-11 die Klassifizierung der American Psychiatric Association übernimmt, die vor drei Jahren ihr Manual DSM-5 aktualisiert und Skin Picking erstmals aufgeführt hat.

Der große Vorteil am ICD-11: Es ist für Deutschland bindend! Das DSM-5 hat nur im US-Raum Bedeutung. Das heißt: Sobald es im ICD-11 eine eigenständige Diagnose Skin Picking gibt, wird es sehr viel leichter sein, eine Therapie zu beantragen – es gibt ja dann ein eigenes Krankheitsbild! Das Problem, das Skin Picker „nicht krank genug“ für eine Therapie sind, wird damit hoffentlich der Vergangenheit angehören.

Aber: Bisher ist es nur ein Entwurf (Draft). Ob Skin Picking wirklich ins ICD-11 kommt, steht noch nicht fest. Experten halten es allerdings für sehr wahrscheinlich.

Hier lest ihr mehr dazu: http://apps.who.int/classifications/icd11/browse/f/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f726494117


Zu 5. Unser Buch verkauft sich wie geschnitten Brot


Noch eine tolle Nachricht: Es wurden schon mehr als 300 Exemplare von „In meiner Haut. Leben mit Skin Picking“ verkauft – innerhalb eines Monats! Damit widerlegen wir alle Skeptiker, die der Meinung waren, das Thema sei zu speziell. Die Zahlen zeigen: In Deutschland gibt es viele Betroffene, die auf ein Informationsangebot wie unseres gewartet haben!

So sieht das Cover aus. Bild: Mabuse-Verlag

Das freut uns Autor*Innen natürlich sehr. Ich danke auch für die hervorragenden Rezensionen bei Amazon und fordere euch herzlich auf: Wenn ihr „In meiner Haut“ schon gelesen habt, schreibt doch bitte kurz eine Rezension bei Amazon. Je mehr Reviews dort zu finden sind, umso interessanter wird das Buch für andere Leser! Und umso schneller verbreitet sich das Wissen über Skin Picking und was man dagegen tun kann.

Hier geht's zur Bestellseite von Amazon: https://www.amazon.de/meiner-Haut-Leben-Skin-Picking/dp/3863213270

Zu 6. Weitere Treff-Termine


Wir treffen uns jeden 3. Montag im Monat, immer um 19 Uhr. Hier die weiteren Termine zum Vormerken:
19. Dezember, 16. Januar, 20. Februar.

Bis dann wünscht euch eine schöne Adventszeit
Ingrid :-)

Montag, 12. Oktober 2015

Zwang oder nicht? / Fünfjähriges der Selbsthilfegruppe

Skin Picking Newsletter Oktober 2015


Hallo zusammen!


  1. Unser nächstes Treffen – diesmal mit Bloggerin Jacqueline
  2. Viel über  Zwang, wenig zu Skin Picking: Rückblick DGZ-Tagung
  3. Vorschau: im November feiern wir Fünfjähriges!
  4. Weitere Treff-Termine

1. Unser nächstes Treffen - diesmal mit Bloggerin Jacqueline

Jacqueline, inzwischen gerade 18 geworden, ist die Heldin des wahrscheinlich ersten deutschen Fernsehbeitrags über Skin Picking, der Mitte August dieses Jahres gesendet wurde. Die Bloggerin sprach in dem RTL-Film ganz offen über ihre Hautprobleme und was sie dagegen tut.
Ein Foto von Jacqueline im September. Link zum Blog: http://bit.ly/1VO09AC
Nun kommt Jacqueline zu uns in die Selbsthilfegruppe, um zu berichten: Wie ist es ihr seither ergangen? Wie war das, vor der Kamera zu stehen? Wie haben ihre Familie, Freunde und Mitschüler reagiert? Und: Hilft ihr es ihr gegen Skin Picking, in der Öffentlichkeit zu stehen?

Ich bin gespannt und freue mich sehr auf ihren Besuch!

Termin unseres nächsten Treffens: 
Montag, 19.10.2015, 19 Uhr.
Ort: "gesundheitsladen", Venloer Straße 46, Erdgeschoss

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Straßenbahn Haltestelle Hans-Böckler-Platz, S-Bahn Haltestelle Köln-West.
Ganz herzlich willkommen sind wie immer alle, die unter Skin Picking (Dermatillomanie, Acné Excoriée) leiden und alle, die unter Trichtotillomanie (krankhaftes Haare ausreißen) leiden! Außerdem auch Angehörige und Lebenspartner. 

2. Viel über Zwang, wenig zu Skin Picking: Rückblick DGZ-Tagung 

Ende September waren ich und A. auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ) in Prien am Chiemsee. Es war eine intensive Zeit mit vielen Erkenntnissen. Und da ich schon zum zweiten Mal auf der Tagung war, für mich auch ein freudiges Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

Einziger Wermutstropfen: Die Tagung kreiste diesmal ausschließlich um Zwänge. Und diese sind nur sehr bedingt mit einer Zwangsspektrumsstörung wie Skin Picking vergleichbar. Zwar ist das Knibbeln und Kratzen an der Haut vom Gefühl her schon ziemlich zwanghaft. Aber es gibt große Unterschiede. 

Beispielsweise gilt als „Goldstandard“ der Therapie von Zwängen die Exposition. Diese Methode wird aber bei Skin Picking sehr selten angewandt. Und so haben wir viel erfahren darüber, wie man Zwänge behandeln kann - aber nicht, wie man Skin Picking angeht.
Mann, ist das schon hoch! Ich beim Üben in der Boulder-Halle.

Dennoch war die Tagung für uns sehr aufschlussreich: So habe ich bei einem Praxisworkshop „therapeutisches Klettern“ gelernt, wo genau die Unterschiede zwischen Skin Pickern und Zwangskranken liegen. Denn während wir Skin Picker beim Besuch eines Kletterparks wahrscheinlich vor allem Sorge darum hätten, dass jemand den Zustand unserer Haut bemerkt, sich ekelt und gemeine Sprüche bringt, stehen Zwangskranke ganz andere Ängste durch. 

Für Menschen mit Reinlichkeitszwängen wäre es beispielsweise fast schon ein unüberwindliches Hindernis, im Kletterpark die Knubbel an der Wand zufassen. Denn wer hat die nicht alles auch schon berührt?!!? Wahrscheinlich jemand mit AIDS oder einer anderen ansteckenden Krankheit … Sich solchen Ängsten zu stellen und sie allmählich zu überwinden, ist Ziel der Klettertherapie. Skin Picker ohne Zwangserkrankung können das nur schwer nachempfinden.

Dennoch ist therapeutisches Klettern auf jeden Fall gut für beide Gruppen: Man lernt zum Beispiel, anderen zu vertrauen, denn ein Partner sichert einen beim Aufstieg per Seil. Und man erkennt, wie wichtig es ist, den eigenen Körper und die eigenen Grenzen einzuschätzen. Eine tolle Sache!

Letztlich haben wir den meisten Gewinn aus dem Netzwerken gezogen, das am Rande des Treffens stattfand. Nun hoffen und erwarten wir, dass bei der nächsten DGZ-Tagung Zwangsspektrumsstörungen wie Skin Picking und Trichotillomanie wieder deutlich mehr zum Thema werden!

3. Vorschau: Fünfjähriges unserer Gruppe! 

Ihr Lieben, bald gibt es unsere Selbsthilfegruppe fünf Jahre. Kaum zu fassen! Ich freue mich riesig! Am Montag, 16. November, ist es so weit!

Zur Feier des ersten Jubiläums wollen wir uns ein schönes Essen gönnen – und deshalb jetzt die Frage an euch: Möchtet ihr auswärts dinieren, das heißt, einen Tisch im Restaurant buchen? Wenn ja, schickt mir bitte eine Mail (dermatillomanie@gmx.de) mit dem Text „essen gehen“ und, wenn ihr mögt, einen Restaurant-Vorschlag. 

Oder möchtet ihr lieber lauschig im gesundheitsladen futtern – in diesem Fall müsste jede/r selbst etwas zu essen und trinken zum Buffet beisteuern. Dann schickt mir bitte eine Mail an obige Adresse mit dem Text „lauschig futtern“ und einem Vorschlag, was ihr mitbringen wollt.


4. Weitere Treff-Termine


Immer am dritten Montag eines Monats um 19 Uhr.

Also: 16. November, 21. Dezember, 18. Januar




Das war's schon wieder! :D

Liebe Grüße vom Krätzchen!

Montag, 7. September 2015

Skin Picking bei RTL Punkt 12

Inzwischen ist der TV-Beitrag erschienen! Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Natürlich sind vier Minuten zu kurz, um das ganze Thema umfassend darzustellen. Aber ich finde, der Beitrag ist sehr einfühlsam geworden. Und es freut mich sehr, dass - neben der tollen, mutigen Bloggerin Jacqueline - auch die Selbsthilfegruppe darin vorkommt.

Bloggerin Jacqueline im Fernsehbeitrag bei RTL Punkt 12. Bild: RTL
Wer sich den ansehen will, schreibe mir bitte unten einen Kommentar, dann schicke ich ich ihm/ihr einen Link zum Beitrag!

Und hier der Link zu Jacquelines neuem Post, ein Video über Tangles! :)
http://mein-leben-mit-skinpicking.blogspot.de/2015/09/tangle-juniors.html

Montag, 8. Juni 2015

Skin Picking Newsletter Juni 2015

Hallo zusammen!


Inhalt:

  1. Unser nächstes Gruppentreffen: Montag, 15. Juni
  2. Skin Picking und ADHS – kommt euch das bekannt vor?
  3. So findest du deinen Psychotherapieplatz – Vortrag von Judith Dücomy
  4. Ankündigung: Bloggerin Jacqueline kommt zu uns nach Köln!
  5. Wir sind online und social! ;)
  6. Weitere Treff-Termine 


1. Unser nächtes Treffen ist am

Montag, 15. Juni um 19 Uhr 
Ort: "gesundheitsladen Köln", Venloer Straße 46. Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: U-Bahn-Haltestelle Hans-Böckler-Platz, S-Bahn-Haltestelle Köln-West.

Bild: HebiPics, Lizenz CC0, Link zum Bild: http://bit.ly/1GlL31t
... ganz herzlich eingeladen sind wie immer alle, die unter Skin Picking und Trichotillomanie leiden – oder unter einem anderen "BFRB" (body-focused repetitive behavior) wie Nägelkauen etc. leiden.

 

2. Skin Picking und ADHS – kommt euch das bekannt vor?

Ich kenne es aus eigener Erfahrung, denn ich war als Kind eine "Hyperaktive" – nun wird auch in den USA häufiger berichtet, dass ADHS-Kinder zugleich Skin Picker sind. Ist eigentlich logisch, oder? Schließlich fällt es Kindern, die Mühe haben, ihre Bewegungsimpulse zu kontrollieren und ihre Aufmerksamkeit diszipliniert auf etwas zu lenken, naturgegeben auch besonders schwer, Knibbel-Impulsen zu widerstehen. Hier seht ihr eine Diskussion dazu in dem Forum "ADHS-Chaoten". https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-erwachsene-komorbiditaeten/14937-skin-picking-disorder.html Allein schon die Länge des Threads ist aufschlussreich, finde ich ... 


3. So findest du deinen Psychotherapieplatz – Vortrag von Judith Dücomy 

Psychotherapeutin Judith Dücomy Bild: Ingrid Bäumer
Im April hatten wir Judith Dücomy bei uns zu Gast. Die Psychotherapeutin ist unter anderem spezialisiert auf Skin Picking. Sie hat uns aufgezeigt, wie man einen Psychotherapieplatz findet – möglichst schnell und unbürokratisch. Hier in meinem Blog habe ich das für euch zum Nachlesen zusammengefasst: http://www.meine-haut.blogspot.de/2015/06/so-findest-du-deinen-psychotherapieplatz.html


4. Ankündigung: Bloggerin Jacqueline kommt zu uns!

Ihr kennt sie vielleicht schon, ich habe schon über sie berichtet: Jacqueline, Betreiberin des Blogs "Mein Leben mit Skin Picking/Dermatillomanie"

Aus Jacquelines aktuellem Blogpost: ein symbolisches NEIN auf die Haut geschrieben.

Sie ist erst 17, aber schon unglaublich offen und selbstbewusst. Einfach klasse! Deshalb habe ich Jacqueline eingeladen, mal in unserer Selbsthilfegruppe über ihre Erfahrungen mit dem Bloggen zu berichten. Sie hat erfreulicherweise zugesagt! Zum Oktober-Treffen am 16.10 dürfen wir sie bei uns erwarten. :D 

 

5. Wir sind online und social! 

Unsere Selbsthilfegruppe existiert nicht nur im echten Leben, sondern, sozusagen erweitert,
auch digital! Was wir haben:
  • eine Website, die ihr alle kennt (www.skin-picking.de)
  • ein Onlineforum unter skin-picking.forumieren.com zum anonymen Austausch. Hier könnt ihr euch zum Beispiel gut austauschen, wenn es in eurer Nähe keine Selbsthilfegruppe habt, ihr zugleich aber auch Facebook-Muffel seid.
  • Außerdem erhaltet ihr aktuelle Informationen zum Thema Haut und Psyche auf unserer Facebook-Seite "In meiner Haut". Wir sind mit der Seite nah dran an 150 Likes! Wenn du bei Facebook bist, klick doch bitte auch auf "Mag ich", um das gesellschaftliche Bewusstsein für Skin Picking zu steigern und Betroffenen zu helfen. Danke! <3
  • Facbook-Seite "In meiner Haut" Screenshot: Ingrid Bäumer
  • Ebenfalls auf Facebook gibt es eine geheime Austausch-Gruppe für Betroffene. Die ist streng geheim - so geheim, dass ich euch erklären muss, wie man Mitglied werden kann: Wer dazugehören will, schickt mir bitte eine Freundschaftsanfrage. Ich bin Facebook-User "ingrid.baumer.1", mein Profil erreichst du über diese Adresse: www.facebook.com/ingrid.baumer.1. Wenn die Freundschaft bestätigt wurde, schreibst du mir eine PN, dass du in die Gruppe möchtest. Ich freue mich auf neue Mitglieder!
  • Und schließlich gibt es noch einen Tumblr-Account, den ich eingerichtet habe, um mich international mit anderen Aktivisten zu verbinden. Schaut doch mal vorbei, wenn ihr bei Tumblr seid und folgt mir gerne: http://in-meiner-haut.tumblr.com

 

6. Weitere Treff-Termine in diesem Jahr

20. Juli, 17. August, 21. September, 19. Oktober, 16. November und 21. Dezember,
jeweils 19 Uhr.

So, das war's schon wieder!
Einen schönen Sommer (trotz aller Widrigkeiten) wünscht euch
Ingrid

Freitag, 5. Juni 2015

So findest du deinen Psychotherapieplatz!

Wie komme ich möglichst schnell und unbürokratisch an einen Therapieplatz? Das ist eine der vielen Fragen, die Diplom-Psychologin Judith Dücomy bei ihrem Vortrag in unserer Selbsthilfegruppe Skin Picking beantwortete. Sie ist psychologische Psychotherapeutin, hat eine Privatpraxis in Köln-Sülz und eine Praxis mit Kassenzulassung in Remscheid. (Update August 2016: Leider praktiziert Judith Dücomy nicht mehr in Deutschland!) Spezialisiert ist Dücomy unter anderem auf die Behandlung von Skin Picking. 


Psychotherapeutin Judith Dücomy Bild: Ingrid Bäumer

Therapieplatz: Lange Wartezeiten für Kassenpatienten

Wir alle wissen es. Kassenpatienten müssen enorm lange auf einen Therapieplatz warten. Immer wieder hören wir in unserer Kölner Selbsthilfegruppe von mindestens zwölf Monaten Wartezeit. Sogar auf ein Erstgespräch müssen viele schon sechs Monate oder länger warten. "Dabei ist Köln nach den Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung überversorgt mit Psychotherapeuten", berichtet Judith Dücomy. "Das liegt daran, dass die Kassen völlig veraltete Bevölkerungszahlen zugrunde legen." In vielen anderen Regionen sieht es auch nicht besser aus; auf dem Land ist es außerdem oft schwer, überhaupt einen Therapeuten in der Nähe zu finden. 

Therapeutensuche: Los geht's, auch ohne Überweisung!

Für die Betroffenen heißt das: hartnäckig sein und dranbleiben – auch wenn es ihnen gerade aufgrund ihres psychischen Problems schwerfällt. Judith Dücomy erzählt, wie die Suche abläuft. "Ihr könnt den behandelnden Arzt fragen, ob er einen Therapeuten empfehlen kann", sagt Dücomy. "Aber eine Überweisung braucht ihr nicht. Ihr könnt auch einfach in den Gelben Seiten unter Psychotherapie schauen und anfangen zu telefonieren."

 

Auf Approbation achten

Dabei sollte man darauf achten, dass der Therapeut eine Approbation hat. "Finger weg von psychologischen Beratern oder irgendwelchen Schamanen!", warnt Dücomy. Erstens sei deren Qualifikation zweifelhaft und zweitens würden die Kassen ohnehin nicht die Behandlungskosten übernehmen. Allerdings, räumt sie ein: Bei Heilpraktikern für Psychotherapie, die ebenfalls keine akademische Ausbildung haben, könnten Klienten durchaus gute Erfahrungen machen. Zahlen muss man die Behandlung aber aus eigener Tasche.

 

Bei Kassenzulassung zahlt die Krankenkasse

Approbation hingegen bedeutet: Der Therapeut hat eine medizinisch anerkannte, langjährige Fachausbildung an der Uni absolviert. Nur dann darf er mit der Kasse abrechnen. Wobei hier noch zu unterscheiden ist zwischen Approbation und Kassenzulassung: Ist ein Therapeut approbiert, hat aber keine Kassenzulassung, dann zahlt die Krankenkasse normalerweise nicht. Aber unter bestimmten Voraussetzungen kann der Klient sich das Therapeuten-Honorar von der Krankenkasse zurückerstatten lassen. Das nennt man Kostenerstattungsverfahren – mehr Infos dazu demnächst hier bei "In meiner Haut"!

Der Weg zum Therapieplatz ist oft verwirrend und komplizert. Bild: Geralt, Lizenz: CC0

Nordrhein: Freie Therapieplätze telefonisch erfragen!

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein bietet einen besonderen Service an: Die Zentrale Informationsbörse Psychotherapie (ZIP) nennt freie Therapieplätze in der Nähe! Der Service umfasst die Städte Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Krefeld, Leverkusen und Mönchengladbach sowie den Kreis Aachen, den Rhein-Erft-Kreis, den Rhein-Sieg-Kreis, den Oberbergischen Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und den Kreis Euskirchen. Unter der Telefonnummer (02 41) 75 09-182 ist die ZIP erreichbar. Für die Städte Essen, Mülheim und Oberhausen gibt es ein vergleichbares Angebot unter Telefon (02 01) 38 41-61 14.

 

Mit Probesitzungen den passenden Therapeuten finden

Hat man dann einen Therapeuten gefunden, der in absehbarer Zeit ein Erstgespräch terminieren kann – wunderbar! Dann sollte man sich aber am besten gleich bei ihm erkundigen, wie viel Zeit voraussichtlich bis zum Beginn der Therapie vergeht. Um schneller Richtung Therapieplatz voran zu kommen, empfiehlt es sich, auch mit weiteren Therapeuten Erstgesprächs-Termine zu vereinbaren. Denn nicht jeder Therapeut ist gut und passt. "In der Regel gibt es fünf probatorische Sitzungen", erklärt Judith Dücomy.

 

Eine, drei, fünf oder acht Probesitzungen?

Das heißt, man kann bei jedem Therapeuten fünf Sitzungen in Anspruch nehmen, um erst mal herauszufinden, ob er der passende ist. Bei analytischen Therapien sind sogar bis zu acht probatorische Sitzungen möglich. Allerdings werden diese Kennenlern-Stunden von der Krankenkasse nicht so gut bezahlt wie normale Sitzungen, deshalb bieten viele Therapeuten nur drei probatorische Sitzungen an. Manche sogar nur eine. Auch danach sollte man sich schon beim Telefonat mit dem Therapeuten erkundigen.

 

Am wichtigsten ist der Wohlfühlfaktor

Sich beim Therapeuten gut aufgehoben zu fühlen ist das A und O. "Wenn man sich nicht wohlfühlt – wenn man findet, der Therapeut guckt irgendwie komisch oder der hört mir nicht zu: auf keinen Fall weitermachen!", warnt Dücomy. Aber was, wenn der Hilfesuchende beispielsweise schon drei Therapeuten ausprobiert hat und darunter keinen passenden gefunden hat? Gibt es eine Beschränkung, wie viele Therapeuten man ausprobieren darf? "Nein, es gibt keine solche Beschränkung", stellt Dücomy klar.

Warum leide ich so? Mit einer Therapie findest du es hoffentlich bald heraus. Bild: Geralt, Lizenz: CC0

Nächster Schritt: der Therapieantrag

Erstgespräche und probatorische Sitzungen mit mehreren Therapeuten vereinbaren – das ist eine langwierige Sache, es dauert sicherlich mehrere Monate. Der Vorteil ist aber: Der Klient hat einen Vergleich und kann sein Urteil, welcher Therapeut der richtige ist, auf einer soliden Basis fällen. Sind die probatorischen Sitzungen gelaufen und man hat sich für einen Therapeuten entschieden, dann stellt der Therapeut bei der Krankenkasse den Therapieantrag. Dieser wird von einem Gutachter der Krankenkasse bearbeitet. "Der Gutachter liest den Antrag anonym", versichert Dücomy. "Er weiß also nicht, um welche Person es sich handelt."

 

Mindestens 25 Stunden werden genehmigt

Für eine Verhaltenstherapie beantragt der Therapeut mindestens 25 Stunden. Wenn man einmal in der Woche zur Therapie geht, dauert diese also ein gutes halbes Jahr. Je nach Problematik kann der Therapeut auch 45 Stunden beantragen.

 

Analytische Therapie: anderer Ansatz, längere Dauer

Zum Vergleich: Für eine analytische Therapie, die viel tiefer in der Vergangenheit des Klienten gräbt, werden meist 240 Sitzungen genehmigt, manchmal auch 300. Wann eine analytische Therapie zu empfehlen ist und wann Verhaltenstherapie – dazu erfahrt ihr demnächst mehr hier bei "In meiner Haut"! Ach ja, und wenn ihr zu eurer ersten Sitzung geht, bitte nicht wundern: Eine Therapiestunde dauert nur 50 Minuten. ;)

 

Zum Weiterlesen

Detaillierte Infos zur Therapeutensuche findet ihr in dem Buch der Verbraucherzentrale: "Psychotherapie – Angebote sinnvoll nutzen".


Link-Tipp von Judith Dücomy

Auf therapie.de kannst du Psychotherapeuten in deiner Nähe finden und gezielt nach spezialisierten Therapeuten suchen.

 

Weitere Themen demnächst hier bei "In meiner Haut":

  • Welche Therapieformen gibt es und welche sind bei Skin Picking zu empfehlen?
  • Wann sollte ich eine Therapie machen?
  • Wie behandelt man Skin Picking in der Verhaltenstherapie?
  • Wie läuft das Kostenerstattungsverfahren?

Montag, 9. März 2015

Skin Picking Newsletter März 2015

Hallo zusammen!

Hier gibt's wieder aktuelle Informationen von der Selbsthilfegruppe Skin Picking.

Inhalt:
1. Unser nächstes Treffen: 16. März - mit Vortrag!
2. Buchliste aktualisiert
3. Aktivistin Angela Hartlin im Fernsehen
4. Finanzielle Förderung dieses Jahr
5. Vlog von Jacqueline: "Ich akzeptiere das."
6. Weitere Vorträge in diesem Jahr
7. Weitere Treff-Termine

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1. Unser nächstes Treffen - mit Vortrag!

Termin für unser nächstes Treffen: Montag, 16. März, 19 Uhr.

Diesmal haben wir einen Vortrag - alle sind herzlich eingeladen zum Zuhören, es ist kostenlos. Vortragende ist Ingrid Marondel, Hypnotherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie wird berichten, welche Erfahrungen sie mit dem therapeutischen Einsatz von Hypnose bei Skin-Pickern gemacht hat.

Ich hoffe, die Plätze reichen - der Raum ist nicht besonders groß. Wird es zu eng, gehen wir nach "nebenan" (einfach dem Hinweiszettel folgen). Die Adresse: Venloer Straße 46, Erdgeschoss. Anfahrt mit den Öffentlichen: Aussteigen an der S-Bahn-Haltestelle Köln West oder der U-Bahn-Haltestelle Hans-Böckler-Platz.

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2. Buchliste aktualisiert

Das war mal wieder nötig: Ich habe die Literaturliste auf skin-picking.de aktualisiert. Mit dabei ist jetzt auch dieses sehr empfehlenswerte auf Englisch:
 

http://www.skin-picking.de/buch-cd-tipps/bfrb-kbwv/
Buchtitel: What to Do When Bad Habits Take Hold

Es richtet sich eigentlich an Kinder, aber die vielen einfachen Übungen können auch Erwachsenen helfen, sich über ihr eigenes Verhalten klar zu werden und andere, bessere Verhaltensweisen an Stelle des Skin Pickings zu setzen.

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3. Aktivistin Angela Hartlin im Fernsehen

Jeder Fernseh-Beitrag erhöht den Bekanntheitsgrad von Skin Picking - vor allem, wenn die kanatischen Vorkämpferin Angela Hartlin auftritt: Vorigen Freitag erschien ein sechseinhalbminütiges Special mit ihr in der populären amerikanischen Sendung "The Doctors".

https://www.youtube.com/watch?v=GS2KXkWv9jA
Zum Anschauen: Mitschnitt der Sendung auf Youtube.
Darin kommt auch eine Therapeutin zu Wort, die einen sehr wahren Satz sagt: "Wenn Betroffene keinen Therapeuten finden, der weiß, wie man mit Skin Picking umgeht, dann verlieren sie mit der Zeit die Hoffnung, irgendwann diese Störung zu besiegen." Je mehr Therapeuten wir haben, die bereit sind, sich Behandlungsmethoden gegen Skin Picking anzueignen, desto mehr Hoffnung für Betroffene.

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4. Finanzielle Förderung in diesem Jahr

Bis Ende März müssen wir die Förder-Anträge an die Krankenkassen schicken, wenn wir in diesem Jahr noch spezielle Projekte vorhaben, die Geld kosten. Ich schlage vor:

- Zwei Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe besuchen das Selbsthilfegruppen-Treffen der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ). Es findet in diesem Jahr am 2. und 3. Mai in Hamburg statt, Gruppen aus ganz Deutschland lernen einander kennen und tauschen sich aus. Unsere Selbsthilfegruppe ist Mitglied in der DGZ (die Mitgliedschaft kostet übrigens 50 Euro im Jahr, dafür muss auch ein Förderantrag gestellt werden). Also: Zugfahrt, Unterkunft etc. wird sicherlich für zwei Personen auf ein paar hundert Euro hinauslaufen.
- Zwei Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe besuchen die Tagung der DGZ zu Zwangserkrankungen und ähnlichen Störungen. Wir waren im vergangenen Herbst auf der Tagung (siehe Berichte in diesem Blog). Skin Picking und Trichotillomanie waren damals auch ein Thema und werden es in diesem Jahr noch mehr sein. Wir erhoffen uns viele neue Einsichten. Wahrscheinlich findet die Tagung im September im südlichen Bayern (Schön Klinik Roseneck) statt, kostet Tagungsgebühr und dauert drei Tage, so dass der Besuch dort noch teurer wird als das Selbsthilfegruppentreffen.
Wer Lust hat mitzufahren, meldet sich am besten jetzt schon bei mir!

Ich überschlage bis zum Treffen die Kosten und nehme gern weitere Projekt-Vorschläge von euch auf :)

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5. Vlog von Jacqueline: "Ich akzeptiere das."

Die junge Bloggerin Jacqueline, die schon einen sehr persönlichen und spannenden Blog über ihr Leben mit Dermatillomanie betreibt, ist jetzt auch im Video zu sehen: Trotz Pickeln und aufgeknibbelten Stellen präsentiert sie sich ohne Scheu vor der Kamera.

Link zum Video: http://www.vidup.de/v/0wTT1/
"Es ist nur ein Teil von mir und ich akzeptiere das." Es gibt natürlich auch andere Tage voller Frust und Verzweiflung, berichtet Jacqueline in ihrem Blog. Toll, dass sie sich traut - so offen geht bisher kaum jemand im deutschsprachigen Raum mit Skin Picking um!

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6. Weitere Vorträge in diesem Jahr - bitte vormerken!

Bereits zugesagt sind zwei weitere Vorträge:
- Montag, 20. April: "Welche Therapieformen eignen sich bei Skin Picking und wie finde ich möglichst stressfrei einen Therapieplatz?" - von Judith Dücomy, Psychotherapeutin.
- Montag, 21. September: "Der Einfluss der Ernährung auf die Haut aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin" - von Sabine Kakizaki, Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin

Die Vorträge finden jeweils zu unseren regulären Gruppentreffen statt (19 Uhr, Venloer Straße 46). Da der Raum begrenzt ist, gilt: Wer rechtzeitig kommt, ist klar im Vorteil!

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7. Weitere Treff-Termine zum Eintragen:

... immer am dritten Montag eines Monats, immer 19 Uhr:
20. April, 18. Mai, 15. Juni, 20. Juli, 17. August, 21. September, 19. Oktober, 16. November und 21. Dezember.

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Liebe Grüße und einen schönen Frühlingsanfang! 
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Permalink dieses Beitrags:
http://meine-haut.blogspot.com/2015/03/srchttpswf.html

Montag, 19. Januar 2015

"Es ist diese hilflose Wut"

Interview mit Monika Neumann-Justen, 64, Psychotherapeutin und Hautärztin, Bonn

Monika Neumann-Justen. (Bild: Ingrid Bäumer)
Frau Neumann-Justen, seit unserem ersten Interview sind knapp drei Jahre vergangen. Sie haben sich aus Ihrer Hautarztpraxis zurückgezogen, aber was hat sich in der Zwischenzeit im therapeutischen Bereich getan?

Monika Neumann-Justen: Ich habe viele Anfragen von Skin Pickern erhalten. Unser Gespräch hat mir viele schwierige, aber auch interessante Patientinnen beschert.

Wie viele Patienten mit Skin Picking sind denn bei Ihnen in Therapie?

Es sind knapp zehn Langzeit-Patienten. Ich arbeite tiefenpsychologisch, aber diese Patienten kommen nicht wie üblich einmal pro Woche, sondern alle zwei bis vier Wochen zur Behandlung. Meist sagen sie, es werde ihnen zu viel, es beeinträchtige sie im Alltag. Dadurch ergibt sich eine lange Dauer, aber bei einer moderaten Stundenzahl.

Wie wirken Skin Picker auf Sie? Was sind ihre Besonderheiten?

Gemeinsam ist ihnen ein enormes Kontrollbedürfnis. Meist funktionieren sie auch gut im Beruf, sind gesellschaftsfähig - trotz des Leidens, das ihr Skin Picking ihnen verursacht. Und ganz oft findet sich ein familiärer Hintergrund, der von traumatischen Erlebnissen geprägt ist: Erfahrungen von Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen zwischen dem dritten und elften Lebensjahr, einer Phase, in der das Kind sich noch nicht wehren kann. Diese Menschen sind geprägt von Angst, die sie nicht spüren und die sich in hilflose Wut verwandelt hat. Diese Wut wird gegen die eigene Person gerichtet, zum Beispiel in Form von Skin Picking. Und ist das erst einmal über Jahre „eingeübt“, kommt definitiv ein Gewohnheitsfaktor hinzu.

In unserem ersten Gespräch sagten Sie, dass es manchen Menschen schwerfalle, Angst von Wut zu unterscheiden. Wie hängt das denn zusammen?

Wenn ein Kind Gewalt erlebt, hat es furchtbare Angst. Es erlebt Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit. Damit einher geht aber auch das Gefühl großer Wut wegen der Ungerechtigkeit dieser Gewalt, oft genug durch die Menschen, die es am meisten liebt. Doch ein Kind ist nicht stark genug, um sich zu wehren und es erhält in seiner Hilflosigkeit keine Unterstützung. So entwickelt es Angst vor der eigenen Wut. Als Ventil, um Wut und Angst nicht zu fühlen, nutzt es Selbstverletzungen wie Skin Picking. Zum Glück kommt man in der Therapie recht leicht an diese Gefühle heran.

Gibt es bei allen eine Gewalt- oder Missbrauchsgeschichte?

Manchmal gibt es auch andere Gründe. Eine meiner Patientinnen wurde in ihrem Elternhaus extrem überbehütet, das reale Leben hat sie dann völlig überfordert. Skin Picking kann auch im Erwachsenenalter anfangen: Ein männlicher Patient, erhielt vor ein paar Jahren ein fremdes Organ transplantiert und muss lebenslang Medikamente nehmen, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Er lehnt diese Medikamente ab, aber er hat keine Wahl. Auch er fühlt sich machtlos. So richtet er die Aggression gegen sich selbst und fügt sich Verletzungen zu. Es ist immer wieder diese hilflose Wut.

Wie gehen Sie therapeutisch an Skin Picking heran?

Ich arbeite tiefenpsychologisch, beziehe aber auch verhaltenstherapeutische Elemente ein. In der Therapie sehe ich Patienten als „Experten in eigener Sache“ - wir sind also zwei Experten, die zusammenarbeiten, damit es dem Patienten besser geht.

Welche Methoden haben sich als effizient erwiesen?

Um gegen den Gewohnheitsfaktor im Skin Picking an zu arbeiten, empfehlen sich durchaus verhaltenstherapeutische Mittel. Beispielsweise bitte ich die Patientin, mit ihren Fingerknöcheln über die Haut zu rubbeln statt mit den Nägeln zu kratzen, was die Haut aufreißt. Es gibt viele Möglichkeiten, den Knibbel-Impuls umzuleiten. Ihn zu unterdrücken, das funktioniert allerdings gar nicht.

Welche Möglichkeiten gibt es denn noch?

Wenn ein Patient neu zu mir kommt, probieren wir erst einige verhaltenstherapeutische Tricks. Zum Beispiel, statt knibbeln im Gesicht ein medizinisches Peeling verwenden, Chi-Gong-Kugeln in die Hand nehmen und rotieren lassen - um die Finger beschäftigt zu halten. Oder beim Abschminken Handschuhe anziehen, um erst gar nicht die Fingernägel einsetzen zu können. Oder den Badezimmerspiegel mit einer Folie abkleben, damit man die eigene Haut nicht mehr so genau darin sieht. In manchen Fällen hilft das schon.

Und wenn es nicht hilft?

Dann folgt die nächste Stufe: Ich versuche, den Menschen dazu zu bringen, dass er sich selbst mit seinem Verhalten akzeptiert. Dazu begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise in seine Psyche: Was waren das für Situationen, in denen er diese hilflose Wut gespürt hat? Man muss das respektvoll ansprechen. Überhaupt: Das Allerwichtigste in der Behandlung ist Respekt. Denn Skin Picking fällt nicht vom Himmel, es ist eben nicht nur Spannungsabfuhr.

Und über die kindliche Wut zu sprechen, das funktioniert?

Natürlich nicht immer. Ein erster Erfolg ist erreicht, wenn ein Patient Trauer fühlen kann: Trauer um das, was ihm zugestoßen ist. Dann kann er das Knibbeln meist lassen. In Situationen mit hohem Druck fängt er aber erfahrungsgemäß wieder damit an. Und dann wird er wütend, hasst sich selbst. Dieser Hass jedoch steigert nur das Skin Picking. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Patienten lernen, gnädig mit sich selbst zu sein. Und sich trauen, genau hinzuschauen: Was hat mich wieder zum Knibbeln bewegt?

Was halten Sie davon, mit Medikamenten den Knibbeldrang zu vermindern?

Medikamente sind meiner Meinung nach in der Regel nicht hilfreich. Verschreibungen werden aber zunehmen, weil Skin Picking im DSM-5 unter „Zwangsstörungen und Ähnliche“ eingeordnet wird. Bei Zwangsstörungen werden von Psychiatern zum Beispiel selektive Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer oder trizyklische Antidepressiva eingesetzt. Diese Medikamente machen bei Skin Pickern eher keinen Sinn. Der Patient funktioniert dann vielleicht vordergründig besser in seinem sozialen Umfeld, aber es wird schwerer, an die Ursachen der Störung heranzukommen.

Sie sprachen das DSM-5 an, das Diagnosemanual der Amerikanischen Psychiatrischen Association (APA). Es gilt als Trendsetter für Europa und viele Skin Picker sind froh, dass das, was ihnen Leiden verursacht, endlich als eigenständiges Störungsbild anerkannt ist. Sie finden es aber anscheinend nicht so hilfreich – warum?

Ich warne vor der Einordnung in die Kategorie „Zwangsstörungen und Verwandte“. Natürlich hat Skin Picking etwas Zwanghaftes. Aber Zwang ist allgegenwärtig, bei vielen psychischen Erkrankungen. Er dient der Abwehr unerwünschter Gefühle wie Angst und Kontrollverlust. Nur weil jemand einen Zwang entwickelt hat, leidet er also noch lange nicht unter einer Zwangserkrankung. Hier wird Missverständnissen Tür und Tor geöffnet.

Wo wäre Skin Picking denn besser aufgehoben?

Vorher galt Skin Picking als Impulskontrollstörung - und dahin passt es meiner Meinung nach auch viel besser. Und es ist eine so himmlisch unverständliche Diagnose: Sie stigmatisiert die Patienten nicht so sehr. Zwangsstörungen dagegen gelten als schwer therapierbar. Ein Patient, bei dem eine Zwangsstörung diagnostiziert wird, fällt gleich in eine prognostisch ungünstige Gruppe.

Und was bedeutet das für den Betroffenen?

Er findet vielleicht keinen Therapeuten, weil die Behandlung von Zwangsstörungen bei Therapeuten als anstrengend und nur mäßig erfolgversprechend gilt. Noch schlimmer wird es, wenn ein Arzt oder Psychologe einem Patienten attestiert, er hätte eine „zwanghafte Persönlichkeitsstörung“. Denn die gilt als noch schwerer therapierbar. Skin Picker haben jedoch in den meisten Fällen gar keine so schwerwiegende Störung. Die Einsicht in die eigene Störung unterscheidet Skin Picker deutlich von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen. Meistens funktionieren sie ja auch sehr gut im beruflichen Umfeld. Wie Sie sehen: Es gibt Diagnosen, die dem Patienten mehr schaden als nützen.

Warum haben dann die Autoren des DSM-5 Skin Picking dann Ihrer Meinung nach in der Nähe bei den Zwangsstörungen untergebracht?

Hier sprechen Sie ein ganz heißes Eisen an. Besonders in Europa gibt es Kritik am DSM-5: Viele der maßgeblichen Autoren sollen der Pharma-Industrie nahestehen, forschen beispielsweise für Pharmafirmen oder erhalten Vortragshonorare. Europäische Psychotherapeuten sehen die Gefahr, dass immer mehr Menschen Medikamente erhalten, wenn im DSM-5 die Kategorie der Zwangsstörungen so sehr ausgeweitet wird: Zur Behandlung werden dann ja fast regelhaft Psychopharmaka empfohlen.

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http://meine-haut.blogspot.com/2015/01/es-ist-diese-hilflose-wut.html

Dienstag, 13. Januar 2015

Skin Picking Newsletter Januar 2015

Frohes neues Jahr allerseits! :)

Inhalt:
  1. Unser nächstes Treffen
  2. Bitte macht mit! Studie zur Diagnose von Skin Picking
  3. "Mein Leben mit Skin Picking" - tolles Blog einer 17-Jährigen
  4. Geplante Aktivitäten für 2015
  5. Artikel über Skin Picking im "Ärzteblatt"
  6. Weitere Treff-Termine
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  1. Das nächste Treffen unserer Selbsthilfegruppe ist am
Montag, 19. Januar 2015
19 Uhr
im "gesundheitsladen köln", Venloer Straße 46, Erdgeschoss

Leicht erreichbar mit Stadtbahn-Linie 5 (Haltestelle Hans-Böckler-Platz) und per S-Bahn (Haltestelle Bahnhof West).
Eingeladen sind wie immer alle von Dermatillomanie (Skin Picking, Acné excoriée) und Trichotillomanie Betroffenen. <3

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  1. Bitte macht mit: Fragebogen zur Diagnose von Skin Picking!

    Christina Gallinat studiert Psychologie an der Universität Heidelberg. Für ihre Masterarbeit hat sie sich einen englischsprachigen Diagnose-Fragebogen für Skin Picking vorgenommen: Sie untersucht, ob man ihn für Deutschland übernehmen kann. Dazu hat sie den Fragebogen übersetzt und zum anonymen Ausfüllen ins Netz gestellt. Je mehr Menschen ihn ausfüllen, umso aussagekräftiger sind die Ergebnisse!

    Link zum Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/HautundWohlbefinden/

    Im zweiten Schritt wird gefragt, wie sinnvoll der Fragebogen ist und ob er in der praktischen Arbeit nützt.
    Das Ausfüllen dauert 10 bis 15 Minuten.
    Und hier geht's zum Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/HautundWohlbefinden
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  1. "Mein Leben mit Skin Picking" - tolles Blog
"Ich habe mich getraut!" Jacqueline ist stolz auf sich, denn sie ist ungeschminkt ins Theater gegangen. In ihrem Blog "Mein Leben mit Skin Picking" berichtet die junge Frau von ihren Erlebnissen.
Profilfoto von Jacqueline. Link zum Blog: http://mein-leben-mit-skinpicking.blogspot.de/
Das macht Mut und ist sehr lesenswert!

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  1. Geplante Aktivitäten der Selbsthilfegruppe für 2015

    Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr so viele Anregungen erhalten habe – Und hier sind die Vorschläge:
    - Vortrag einer Hypnotherapeutin – was kann Hypnose bei Skin Picking leisten?
    - Vortrag einer Ernährungsberaterin – hängen Hautbild und Ernährung zusammen?
    - Vortrag einer Hautärztin: Was sind die körperlichen Aspekte von Skin Picking, welche Hautpflege empfhiehlt sie, was kann man mit Medikamenten erreichen?
    - Vortrag einer Therapeutin über die "Bürokratie" rund um Psychotherapie: Welche unterschiedlichen Therapieformen gibt es, welche davon sind für Skin Picking besonders geeignet, wie verläuft die nervenaufreibende Therapeutensuche möglichst kurz und stressfrei?
Ob wir das alles in diesem Jahr schaffen, weiß ich nicht – aber die Themen bleiben ja auch 2016 aktuell ;) Wenn Termine gesetzt sind, erfahrt ihr es hier im Newsletter.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

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  1. Artikel im Ärzteblatt über Skin Picking
Je mehr Fachleute über Skin Picking erfahren, desto besser für Betroffene. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass das "Ärzteblatt" einen langen Artikel über Skin Picking in seiner Dezemberausgabe gebracht hat. Auch wenn er nicht ganz aktuell ist: Die Autorin ordnet Skin Picking den Impulskontrollstörungen zu. Es fehlt jeder Hinweis darauf, dass Skin Picking im amerikanischen Diagnosemanual DSM-5 inzwischen unter "Zwangsstörungen und Verwandte" einsortiert ist – ob zurecht oder nicht, ist dann noch mal eine andere Frage.

Hier der Link zum Text:  http://www.aerzteblatt.de/archiv/165551

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  1. Weitere Treff-Termine der Selbsthilfebgruppe – zum Eintragen in den Kalender:
    Montag, 16. Februar, 19 Uhr
    Montag, 16. März, 19 Uhr
    Montag, 20. April, 19 Uhr
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So, das war's schon wieder!
Einen schönen Start in 2015 wünscht euch
das Krätzchen

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Montag, 29. Dezember 2014

"Ich bin ein Mensch, kein Versuchskaninchen!"

Selbst Angela Hartlin, die exponierteste Skin-Picking-Aktivistin weltweit, sucht noch immer nach einem kompetenten Therapeuten. In einem Blog berichtete die Kanadierin vor kurzem, dass sie nach acht Jahren ohne Therapie wieder ihren Mut zusammengenomen und einen Versuch unternommen hat, mit therapeutischer Hilfe ihr Skin Picking doch noch zu überwinden.


Angela Hartlin. Bild: http://bit.ly/1vmNM0K

Doch offenbar war der Fachmann (oder die Fachfrau) nicht bereit, sich zum Thema Skin Picking fortzubilden. Dabei gibt es in den USA und Kanada ein sogar recht kompaktes und kostengünstiges Fortbildungsangebot. Deshalb brach Angela die Therapie nach drei Sitzungen ab. "Ich bin ein Mensch, kein Versuchskaninchen!", beharrt sie.

Mehr Infos dazu gibt es hier: http://blog.trich.org/2014/12/23/angela-broke-up-with-her-therapist-heres-why-you-should-care/

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http://meine-haut.blogspot.com/2014/12/ich-bin-kein-mensch-kein.html

Dienstag, 30. September 2014

Gefährlich und oft mit Skin Picking verbunden: die Körperdysmorphe Störung

Eine Körperdysmorphe Störung bleibt häufig unerkannt, wird auch von ausgebildeten Psychologen oder Psychiatern nicht diagnostiziert. Das macht sie so gefährlich, berichtet Prof. Dr. Ulrike Buhlmann auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen in Bad Bramstedt: Bei einer Umfrage, die die Professorin durchführte, äußerten 30 Prozent der Betroffenen suizidale Gedanken. Das allein sei noch nicht so bemerkenswert, erklärte die Professorin, die einen Lehrstuhl für klinische Psychologie an der Uni Münster innehat. "Viel beunruhigender ist, dass 22 bis 25 Prozent der Befragten von Selbstmordversuchen berichten." Die Befürchtung: Werden Betroffene nicht richtig diagnostiziert und behandelt, gelingt es ihnen irgendwann, ihr tödliches Vorhaben umzusetzen.

Was ist eine Körperdysmorphe Störung? Früher wurde sie als Dysmorphophobie bezeichnet: also die Angst, missgebildet zu sein. Eine Körperdysmorphe Störung hat jemand, der völlig normal aussieht, aber fest daran glaubt, dass eines oder mehrere seiner Körperteile entstellt sind. Häufig geht es um die Nase, die Ohren und Arme, aber prinzipiell kann jeder Körperteil als hässlich empfunden werden. Es handelt sich dabei um einen eingebildeten Makel, den die Betroffenen als völlig real erleben.
Aus Scham und Angst vor den Reaktionen Anderer hätten manche Patienten schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr das Haus verlassen, berichtet Buhlmann. Um auch an diese Personen heranzukommen, sei die Befragung über das Internet gelaufen und beispielsweise in einschlägigen Foren angekündigt worden. Buhlmann: "Das Internet ist dafür das ideale Medium."

Besonders schwierig werde die Therapie, wenn Patienten zusätzlich ein "destruktives körperbezogenes Verhalten" wie Skin Picking an den Tag legen. Das sei häufig der Fall. So habe ein Patient, der unter einem eingebildeten Makel am Hals litt, "die Haut verletzt und sich am Hals eine massive Wunde gekratzt, die mehrmals chirurgisch behandelt werden musste."
Gut gegen Körperdysmorphe Störungen wirke Kognitive Verhaltenstherapie, vor allem die Spiegel-Exposition. Die Patientin/der Patient muss sich während der Exposition bei einer Therapiesitzung selbst im Spiegel betrachten. Doch statt sich auf den angeblichen Makel zu konzentrieren, soll er/sie die eigene Wahrnehmung neu trainieren: nicht auf das Detail zoomen, sondern lernen, sich im Ganzen betrachten.

Eignen sich Spiegel-Expositionen auch zur Behandlung von Skin Picking? So könnte man Betroffene auffordern, nicht nur ihre zerkratzte, wunde und gerötete Gesichtshaut zu betrachten, sondern auch die anderen, gesunden Stellen ihres Körper und ihrer Haut. So finden sie heraus, dass die bearbeiteten Stellen nicht ihren ganzen Körper ausmachen. „Expositionen werden im Einzelfall bereits gemacht“, sagt Dr. Susanne Fricke, Psychotherapeutin aus Hamburg. „Und das mit gutem Erfolg.“

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Entspannen mit Kunsttherapie

Die Gedanken fließen lassen, die Hände einfach machen lassen - Ton ist ein Material, das dazu einlädt, sagt Dorothee Heins, Kunsttherapeutin in der Schön Klinik Bad Bramstedt. Sie gibt einen Kunsttherapie-Workshop im Rahmen der Tagung "Von Macken bis Zwängen und darüber hinaus" der "Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen". Die Teilnehmer sind Doktoren, Psychotherapeuten und Zwangskranke. Sie wollen erfahren, wie Kunsttherapie funktioniert. Und sich anfühlt. 

Dorothee Heins stellt einen kiloschweren, kalten und festen Block grauen Ton für jeden Teilnehmer auf den Tisch. "Jetzt legen Sie einfach mal los, befühlen den Ton, bearbeiten ihn, wie Sie wollen - ohne festes Ziel, ohne etwas Bestimmtes zu formen." Die Teilnehmer schauen sich verunsichert an. Wie - keine Aufgabe, kein festes Ziel, auf das man hinarbeitet? Unschlüssig gehen die Hände zum Tonblock, tasten erst zögerlich, greifen dann kräftiger zu, kneten und ziehen. Eine Viertelstunde lang. 
 
Draufloskneten ohne festes Ziel - eine ungewohnte Sache. - Bild: Ingrid Bäumer

"Das war erstaunlich, ich habe wirklich an überhaupt nichts mehr gedacht, erzählt Peter (Namen der Teilnehmer geändet) hinterher. Das Material erinnert sie an Haut, sagt Katharina. "Man kann es massieren, ausstreichen." 
Dann bespricht die Gruppe jedes Objekt - ganz sachlich, nicht wie bei Freud, wo alles gleich auf seinen Symbolgehalt hin analysiert werden würde. Und ganz ohne positive oder negative Wertung. Erstaunlich, wie viel dabei herauskommt. Und wie entspannt hinterher alle sind. 

Dies Tonobjekt mit "Kratzspuren" (Nagelspuren) formte eine Teilnehmerin. - Bild: Ingrid Bäumer

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