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Montag, 9. Mai 2016

Erster deutscher Trich-Vlog/Wie soll das Buch heißen? - Skin Picking Newsletter Mai

Ihr Lieben!

Die ersten heißen Tage haben wir schon hinter uns - Sonne ist schön, aber für uns Skin Picker eine bittersüße Angelegenheit. Meinen wir doch, wir müssten unsere Wunden unter abdeckender Kleidung verstecken. Aber es gibt ein paar schöne Neuigkeiten, die von diesem unangenehmen Thema ablenken ...

Inhalt:
  1. Unser nächstes Treffen: am Pfingstmontag (ja!)
  2. Erste deutschsprachige Youtuberin spricht offen über Trich: Nisi von teetharejade
  3. Wie soll unser Buch heißen? Stimme mit ab!
  4. Weitere Treffen
Viel Spaß beim Lesen!
Ingrid

1. Unser nächstes Treffen 

... ist am Pfingstmontag, 16. Mai, um 19 Uhr im "gesundheitsladen Köln", Venloer Straße 46. Leicht erreichbar mit U-Bahn (Linie 3,4,5, Haltestelle Hans-Böckler-Platz) und S-Bahn (Bahnhof Köln-West).
Anfahrtbeschreibung hier: http://www.gesundheitsladen-koeln.de/index.php?pg=9

Herzlich eingeladen sind wie immer alle, die unter Skin Picking, Trichotillomanie und anderen Body-Focused Repetitive Behaviors (BFRBs) leiden.


2. Nisi: Erste deutsche Youtuberin bekennt sich zu Trich

Nisi von teetharejade erzählt über ihr Leben mit Trich. Link:http://bit.ly/1UNhoFP
Das ist mutig, vor allem für eine Beauty- und Modevloggerin: Nisi von teetharejade erzählt hier über ihr Leben mit Trichotillomanie. Trich ist eine "Schwesterkrankheit" von Skin Picking. Statt an der Haut zu quetschen und knibbeln, zupfen sich Betroffene krankhaft die Haare aus. Das Video wurde schon knapp 140.000 Mal aufgerufen (Stand: 9. Mai 2016)!

Das Besondere an Nisis Vlog: Sie - zumindest meines Wissens - die erste, die sich in deutscher Sprache auf Youtube zu Trich bekennt. Es gibt berühmte Vloggerinnen wie die Britin BeckieO mit ihrem TrichJournal - aber es ist eben doch etwas ganz Anderes, jemanden in der Muttersprache sprechen zu hören. Reinschauen (und -hören) lohnt sich!

3. Umfrage: Wie soll unser Buch heißen?

Seit Jahren ist es in Vorbereitung, in diesem Herbst soll es endlich erscheinen: unser Buch über Skin Pickig. Aus der Sicht von Betroffenen. Es gibt viele Geschichten und viele Tipps - alles "auf gleicher Augenhöhe". Ich freue mich schon sehr und danke den vielen lieben Menschen, die ihre Geschichte beigesteuert haben.

Da wäre nur noch eine kleine Sache: Das Buch hat noch keinen Titel. Der Arbeitstitel "In meiner Haut" besteht zwar schon länger, aber ... vielleicht findet ihr ja einen anderen Namen viel schöner?

Deshalb habe ich hier mal eine kleine Umfrage gestartet. Ihr könnt auch selber noch Vorschläge machen - die Sache ist völlig offen!

4. Weitere Treffen der Selbsthilfegruppe

Bitte im Kalender vormerken: Wir treffen uns wieder am 20.6., 18.7. und 15.8. Beginn jeweils um 19 Uhr - weitere Informationen dazu erhältst du mit dem Newsletter.

Dienstag, 5. August 2014

Dem Ekel Ausdruck gegeben

Bei meinen Recherchen auf Youtube stieß ich auf etwas, das man nur als „very special interest“ bezeichnen kann. Man sieht, wie mit einem kosmetischen Spezialgerät, einer kleinen metallischen Schlaufe, Mitesser im Gesicht ausgedrückt werden:



Mit Super-Makro gefilmt, so dass dem Zuschauer auch garantiert gar nichts entgeht. Ich "durfte" miterleben, wie die Talgwürmer massenhaft aus der Haut gedrückt, gequetscht und gequält werden. Der Eigentümer des Gesichts ist offenbar ein Mann, denn man sieht in der Ultra-Nahaufnahme auch einzelne Bartstoppeln. Das Metallgerät geht gnadenlos vor, die bearbeitete Haut wirkt zerwühlt, fettig und wund. Und das schlimmste: Währenddessen spielt ununterbrochen widerwärtig sanfte Musik, eine träumerische Männerstimme säuselt zu Gitarre und Klavier.

Eigentlich kenne ich dieses seltsam befriedigende Gefühl nur zu gut: wenn man an einem Pickel oder Mitesser drückt und der Inhalt – Talg oder Eiter – kommt endlich heraus. Doch wenn ich es mir hier in Nahaufnahme anschaue, packt mich der Ekel. Die austretenden Talgwürste werden von dem Metallgerät zermatscht, es lässt sich nicht aufhalten, seinen grausamen Weg durch die Haut zu furchen. Warum wird mir nicht übel, wenn ich - zwar ohne Gerät, aber im Prinzip ganz ähnlich - mit meiner eigenen Haut so umgehe? Warum macht es mir sogar Spaß? Blende ich das Ekelhafte einfach aus?

Dieses Video wurde mehr als 1,1 Millionen mal aufgerufen.  Link

Es ist nicht das einzige seiner Art, es gibt eine ganze Reihe davon, gepostet von unterschiedlichen Accounts. Dieses hier ist von „Dermatillomania Wise“ und ist in einem Vorab-Hinweis als „educational“ etikettiert – gedacht speziell für Skin-picker. Der Urheber erklärt: „Ich habe herausgefunden, dass Leute mit Dermatillomanie, die meine Videos regelmäßig schauen, große Verbesserungen zeigen oder ganz aufhören, ihre Haut zu bearbeiten.“

Seltsam ist aber, dass der Urheber der Videos zugleich nicht vergisst, gut sichtbar auf den Amazon-Store auf seiner Webseite hinzuweisen. Dort verkauft er alle möglichen Hautbearbeitungsgeräte: den Komedonen-Extraktor, den er in o.g. Video genutzt hat, Pinzetten und Kosmetika. Bei jedem Verkauf über seine Webseite lässt Amazon ihn ein paar Prozent mitverdienen. Das heißt, er verdient Geld damit, andere Leute zum Nachmachen zu animieren. 


Die geposteten Reaktionen unter dem Video sind geteilt: Die meisten empfinden Ekel, manche müssen den Film stoppen. Doch ein paar bedanken sich auch: Das Video anzuschauen, sei befriedigend und bringe „seltsamerweise Entspannung“. Es sei regelrecht therapeutisch.

Ist also der erhoffte Effekt, dass man sich aus lauter Ekel vom Knibbeln an der Haut abhält? Oder dass man schon Befriedigung empfindet, wenn man nicht an seiner eigenen Haut die Poren zum Platzen bringt, sondern es nur im Bewegtbild sieht? Oder SOLL man dem Vorbild gerade folgen und seine Haut mit einem Metallgerät bearbeiten (was immer noch besser wäre als mit „stumpfen, unhygienischen Werkzeugen“, nämlich den eigenen Fingern, an die Haut zu gehen)?

In einen anderen Video (Link) zeigt ein Mann namens „Zitmeister“ - vermutlich die selbe Person, die unter dem Account „Dermatillomania Wise“ die Ausdrück-Videos postet -, wie sein Gesicht aussieht und wie er die Videos macht. Das Erstaunliche: Nach einer „Session“ sieht sein Gesicht gar nicht so anders aus, kaum schlechter als vorher. Nur die Vergrößerung der ganzen Aktion mit einem „USB-Mikroskop“ lässt sie so dramatisch aussehen. Hier sieht man sein Gesicht nach der Session:


Der Mann ist offenbar erfolgreich: Seine Ausdrück-Videos gibt es sogar zum Kaufen auf DVD.

Permalink dieses Eintrags: http://meine-haut.blogspot.com/2014/08/dem-ekel-ausdruck-gegeben.html